Recorder

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Als David Bowie zu Beginn des Jahres 2016 verstarb, stand die Welt still. Kollektive Fassungslosigkeit. David Bowie tot? Der ist doch unsterblich. Welche Faszination immer noch von ihm ausgeht, zeigt die erste Ausgabe des Musikmagazins Recorder – The Pop Magazine for Grown-Ups.

Finanziert über Kickstarter will sich jede Ausgabe einem Künstler widmen. Inspiriert wurde Herausgeber Dan Tickner dabei von der Kampagne des letzten Daft Punk-Albums „Random Access Memories“ und seinem Eröffnungstrack „Give Life Back to Music“.

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David Bowie ist da natürlich ein guter Anfang, könnte man mit seinem Schaffen doch Magazine über Jahre mit Inhalt füllen. Recorder gelingt dies aber auch auf sympathischen 80 Seiten. Fernab von belehrenden Listen wie „Die 100 besten Bowie-Songs“ nähert der Leser sich dem Musiker über Short Stories, Infographics und persönlichen Erinnerungen, die andere Kreative mit seiner Musik verbinden.

Recorder ist wunderbar illustriert und kommt ohne ein einziges Foto des Musikers aus (ein Plattencover einmal ausgenommen). Auch wenn Bowies Tod immer noch schmerzt, Recorder zu lesen macht Freude und gibt einem das gute Gefühl, dass über diesen Künstler noch längst nicht alles gesagt ist.

Warum soll ich das lesen?
Musikmagazine öden Dich aktuell nur noch an? Recorder dürfte Dir gefallen.

Risiken und Nebenwirkungen
Was sind denn nun die 100 besten Bowie-Songs? Du landest doch wieder beim Rolling Stone.

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Florian Tomaszewski

Hygge

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Es wird muggelig, pardon, hyggelig. „Hyggelig“ sei ein im Dänischen und Norwegischen vielfach bemühtes Adjektiv, das „geborgen“, „beschützt“, „gemütlich“, „angenehm“ oder auch einfach „gut“ bedeute. Das zumindest schreiben die Macher von Hygge zu ihrem Heft, dass es seit Midsommar auf dem deutschen Markt gibt. Warum Flachlandbewohnern gerade ein analoges Wort für „hügelig“ in den Sinn kommt, wenn sie an Muschepupu-Atmosphäre, Gemütlichkeit, und Zusammensein denken, bleibt indes ein Geheimnis. Im deutschen G20-Sommer ist das ein wohltuender Kontrast für von der Weltpolitik erhitzte Gemüter. Er hat aber auch etwas von Realitätsflucht oder – weil die Deutschen eben keine Dänen sind – diesen leichten Touch von verstockter Biedermeierlichkeit.

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Naturnah und unverkrampft die Freuden des Lebens genießen – dieses positive Gefühl möchte die Deutsche Medienmanufaktur auch hiesigen Lesern mit Hygge sechs Mal im Jahr nahebringen. Das erinnert ein wenig an Titel wie Flow oder Landlust, die aus dem selben Haus stammen. Auch diese feierten bereits das Selbermachen oder dass weniger manchmal mehr ist. Das schlägt sich auch hier in der Aufmachung nieder: Die ist bewusst reduziert, auf griffigem Papier ohne Hochglanzoptik und gibt dafür Bildern viel Raum.

Als Zielgruppe hat die Manufaktur Frauen ab 25 auserkoren und untermauert dies auch mit einer Umfrage zum Start. Demnach schätzten 90 Prozent der Befragten persönliche Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse mit Freunden und der Familie. Wie viele Männer das auch tun, keine Rede. Warum das einfache Glück, Wolldecken und Lagerfeuer Frauen vorbehalten ist, bleibt ein Geheimnis der Macher.

Warum soll ich das lesen?
Sehen, fühlen, schmecken, draußen sein! Oder, wie der große Naturlyriker Jürgen D. es ausdrückte: „Hej, denn es ist Midsommar und was ist schon dabei?“

Risiken und Nebenwirkungen
Zimtschneckenzuckerschock. Bei all dem wohligen Gefühl wundert es Dich plötzlich nicht mehr, dass Skandinavier die blutigsten Krimis schreiben.

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Manuel Niemann

Junko

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Wer an die Fußball-EM 2016 denkt, muss vielleicht kurz überlegen, wer eigentlich Europameister wurde (es war Portugal), auf jeden Fall aber wird er sich an die Isländer und ihren eindrucksvollen Schlachtruf erinnern: HU! Die Bilder von Kapitän Aron Gunnarsson, der mit seinem Team im Rücken, die isländischen Fans, und schnell den Rest des Stadions, zu eben jenem Kampfschrei dirigierte, waren einfach zu beeindruckend. Plötzlich war Island cool, die Trikots der Mannschaft überall ausverkauft und ein immer noch anhaltender Touristenstrom überfiel das Land. Island ist hip. Kein Wunder, dass sich die zweite Ausgabe des Junko Magazins der Indieband unter den Reisezielen widmet.

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Junko stellt kreative Köpfe des Landes vor und verknüpft diese Portraits immer wieder mit großartigen Landschaftsaufnahmen. Dabei schafft es das Magazin, den geheimnisvollen Charakter Islands ins Heft zu überführen und nutzt dafür alle Möglichkeiten des Mediums aus. Es gibt ein Heft-im-Heft, unterschiedliche Papiersorten und ein abwechslungsreiches Layout. Auf jeder der immerhin 120 Seiten spürt man die Passion für Print.

Damit reiht Junko sich in eine Reihe ganz wunderbarer Indie-Reisemagazine wie Aortica oder Paradiso ein, die ein Land kreativ und fernab der üblichen Wege vorstellen.

Warum soll ich das lesen?
Wir zitieren die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes: “Fehlende oder unzureichende Reisevorbereitung kann im Ernstfall zu aufwändigen Suchaktionen führen.”

Risiken und Nebenwirkungen
Beim Lesen bricht es vor Begeisterung aus Dir heraus: HU!

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Florian Tomaszewski

Dog

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Möglicherweise ist das Magazin Dog ja so etwas wie die Antithese zu Kot & Köter,”der Zeitschrift für den deutschen Hundefeind”. Kein aggressives Blatt, sondern ein schickes Magazin, in dem die Hunde mindestens so gut aussehen wie ihre Besitzer und nicht gehasst, sondern auf 150 Seiten bedingungslos geliebt werden. Allein die Cover möchte man sich aufs T-Shirt drucken. Vielleicht summt man beim Lesen deswegen permanent “I Want A Dog” von den Pet Shop Boys.

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Das englischsprachige Magazin legt seinen Schwerpunkt mit jeder Veröffentlichung auf eine Rasse. War in der ersten Ausgabe der Stabyhoun der Star, rückt Ausgabe zwei den japanischen Shiba Inu in den Fokus. Wir lernen seine Heimat und die Menschen an seiner Seite kennen. Mehr als ein Tiermagazin wird Dog damit zum hervorragenden Reise- und Lifestylemagazin. Fotos, Texte, Layout: Dog macht alles richtig und könnte selbst Hundehasser bekehren. Herr Beleites, schauen Sie doch einmal rein. Und jetzt alle: I want a dog, a Chihuahua / When I get back to my small flat / I want to hear somebody bark / Oh, you can get lonely…

Warum soll ich das lesen?
Hunde sind die besseren Menschen.

Risken und Nebenwirkungen
Die Menschen verstehen Dich nicht mehr. Vielleicht weil Du sie anbellst?

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Florian Tomaszewski

Survival Magazin

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Print kann Leben retten. Diesen Anspruch nimmt das Survival Magazin wörtlich und klärt seine Leser von Mückenschutz bis zum selbst gebauten Wasserfilter auf. Wer also vorhat, seinen nächsten Sommerurlaub im bolivianischen Dschungel zu verbringen, sollte vielleicht einen Blick in das Heft werfen. Und auch für die Kandidaten des nächsten Dschungelcamps bietet sich die Lektüre an.

Herausgebracht wird das Survival Magazin vom Wieland Verlag. Zu dessen Portfolio gehören unter anderem auch das Messer Magazin, 4×4 Travel oder Tactical gear, ein Magazin „für taktische Ausrüstung“. Das Überleben seiner Leser in lebensfeindlichem Terrain scheint dem Verlag aus dem bayrischen Bad Aibling ein wichtiges Anliegen zu sein.

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Die Gestaltung des Survival Magazins beschränkt sich, wie so häufig bei Special-Interest-Magazinen, auf das Wesentliche. Auch wer beim martialischen Titel an Chuck Norris im Dschungel denkt, mag enttäuscht sein. Inhaltlich überwiegen Produkttests vom wasserdichten Rucksack bis zum perfekten Abenteuerhut. So ist das Survival Magazin also eher ein etwas schlichtes Outdoor-Magazin. Statt bolivianischer Dschungel eher Nationalpark Eifel.

Warum soll ich das lesen?
Die Natur ist Dein Gegner.

Risken und Nebenwirkungen
Welcome to the jungle? Ja, aber nur mit atmungsaktiver Jacke.

> Survival Magazin online

Florian Tomaszewski

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