A Syrious Look

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Bald wacht Deutschland auf! Wahlen stehen vor der Tür, und es gibt einige, die vor sich hinbrabbeln, dass Frau Merkel alles falsch gemacht hat, unser Land verrät und mit den Flüchtlingen das größte Unglück über uns gebracht hat.

Vielleicht ein guter Zeitpunkt also, jetzt an ein Magazin zu erinnern, dass diese ach so undenkbare Herausforderung, z.B. syrische Flüchtlinge bei uns zu integrieren, zum Thema macht. Für manche ist es schon eine scheinbar undenkbare Herausforderung, für diese Menschen auch nur Mitgefühl und Verständnis zu verspüren, und auch dazu ist A Syrious Look angetreten.

Schon früh war die Flüchtlingskrise von Ressentiments geprägt, von Ängsten und Protest. Die, um die es geht, kamen dabei selten zu Wort – die Flüchtlinge selbst. A Syrious Look gibt ihnen eine Stimme, denn hier schreiben Autoren, Kreative und Künstler, die Vertreibung und Krieg selbst erfahren mussten. Damit stellt dieses Magazin einen wichtigen Beitrag zur Debatte. Selbst dann, wenn vermutlich die allerwenigsten deutschen Bürger oder auch Politiker dieses Magazin jemals in die Hand genommen haben.

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In Interviews schildern syrische Intellektuelle Ihre Sicht auf die Situation, die viele von ihnen bevorzugt nach Berlin gebracht hat – wo auch das Magazin in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Mario Münster entstanden ist. Zum einen spielt in den Texten der Verlust der Heimat eine Rolle, aber auch das Hier und Jetzt, das als Provisorium empfunden wird. Illustrationen und Gedichte ergänzen die harte Realität des Krieges, die in Berichten und Foto-Essays dokumentiert wird, um eine artifizielle Ebene. Auch Kunst kann helfen, ein Trauma zu verarbeiten.

Von Gesprächen über Geopolitik bis zu persönlichen Erfahrungsberichten reicht das stilistische und thematische Arsenal der Mittel, derer sich A Syrious Look bedient, um zu zeigen, dass hinter diesem Konflikt menschliche Schicksale stehen. Menschen wie Du und ich – und kein Flüchtlingsheer, das besser anonym bleibt.

Viele Magazine, auch kleine, drehen sich um Lifestyle. Dieses hier nicht!

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Sven Job

Special Request

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Hallo Freaks! Vermutlich gibt es immer noch Menschen, die einen schief ansehen, wenn man anfängt, vom Suppen-Nazi zu erzählen. Natürlich haben diese Leute die Sitcom der 90er Jahre “Seinfeld” nie gesehen. Da erübrigt sich auch jedes weitere Gespräch, ist okay.

Allen anderen, die sich an “Seinfeld” erinnern, aber auch (und zwar gerne und ohne mehr Scham als notwendig) an “Baywatch” und die Bravo-Foto-Love-Stories, an Beavis und Butthead und die goldenen Zeiten von MTV Europa – kurz gesagt also alle, die die 90er Jahre vor dem Flimmerkasten verbracht haben – dürfen wir die zweite Ausgabe von Special Request ans Herz legen.

Na klar ist Fernsehen ein eher spezielles Thema für ein Magazin – aber das schockiert nun keinen mehr, der Voll auf die Presse und unsere Coverage kennt. Special Request verbindet einen nostalgischen Blick mit Kunst; Fotostrecken mit Beavis Zahnspange & Nachokäse wechseln sich ab mit bedachtvoll arrangierten TV Dinners berühmter Persönlichkeiten wie etwa Buzz Aldrin oder Ghostface Killah.

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Dazwischen immer wieder Kurzgeschichten aus aller Welt, die sich mit unserer Postmoderne herumschlagen. Und was mir persönlich am Besten gefällt sind die Essays, die von den wilden Anfängen MTV Europas erzählen etwa. In einem anderen Text erzählt der Moderator Antoine de Caunes sehr launisch und sehr lustig von seiner BBC-Show “Eurotrash”, die wohl nachhaltig das Bild geprägt hat, das die Briten von uns Europäern haben. Notwendig ist das alles nicht, aber unterhaltsam und vielleicht auch ein wenig schrottig. So wie eben Television das mal war.

Warum soll ich das lesen?
Sieht gut aus, ist aber Glotze und auch noch ein bisschen Kunst. Zum lesen. Wie kompliziert, wie spannend!

Risiken und Nebenwirkungen
Was verdammt noch mal isst denn der zweite Mensch auf dem Mond nun, wenn er vor dem Fernseher sitzt? Was, einfach nur Pizza?

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Sven Job

Huck

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Ein Magazin, das die Unangepassten feiert, hat natürlich von Grund auf unsere Sympathien. Wenn es dann aber tatsächlich noch so smart daher kommt wie das Huck Magazine aus London, dann sind wir in love. Fünfmal im Jahr versorgt Huck seine Leser auf knapp 100 Seiten mit Geschichten über „people and movements that paddle against the flow“.

In der uns vorliegenden Ausgabe („The Outsider Issue“) sind das beispielsweise Heavy Metal-Fans in Botswana, die Bewohner des De-facto-Regimes Transnistrien oder Jugendliche im Iran.

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Mit Portraits von Father John Misty und Perfume Genius ist Huck aber auch immer nah am Pop. Das Cover der aktuellen Ausgabe („The No Regrets Issue“) schmückt dann auch niemand Geringerer als Liam Gallagher. Großartige Storys, exzellente Fotos und ein aufgeräumtes Layout machen Huck zu einem unbedingten Must Read auf dem Markt unabhängiger Magazine.

Warum soll ich das lesen?
Du hast schon immer das Gefühl gehabt, dass Du anders bist.

Risiken und Nebenwirkungen
Wenn jetzt alle Huck lesen, wird es dann Mainstream?

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Florian Tomaszewski

Recorder

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Als David Bowie zu Beginn des Jahres 2016 verstarb, stand die Welt still. Kollektive Fassungslosigkeit. David Bowie tot? Der ist doch unsterblich. Welche Faszination immer noch von ihm ausgeht, zeigt die erste Ausgabe des Musikmagazins Recorder – The Pop Magazine for Grown-Ups.

Finanziert über Kickstarter will sich jede Ausgabe einem Künstler widmen. Inspiriert wurde Herausgeber Dan Tickner dabei von der Kampagne des letzten Daft Punk-Albums „Random Access Memories“ und seinem Eröffnungstrack „Give Life Back to Music“.

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David Bowie ist da natürlich ein guter Anfang, könnte man mit seinem Schaffen doch Magazine über Jahre mit Inhalt füllen. Recorder gelingt dies aber auch auf sympathischen 80 Seiten. Fernab von belehrenden Listen wie „Die 100 besten Bowie-Songs“ nähert der Leser sich dem Musiker über Short Stories, Infographics und persönlichen Erinnerungen, die andere Kreative mit seiner Musik verbinden.

Recorder ist wunderbar illustriert und kommt ohne ein einziges Foto des Musikers aus (ein Plattencover einmal ausgenommen). Auch wenn Bowies Tod immer noch schmerzt, Recorder zu lesen macht Freude und gibt einem das gute Gefühl, dass über diesen Künstler noch längst nicht alles gesagt ist.

Warum soll ich das lesen?
Musikmagazine öden Dich aktuell nur noch an? Recorder dürfte Dir gefallen.

Risiken und Nebenwirkungen
Was sind denn nun die 100 besten Bowie-Songs? Du landest doch wieder beim Rolling Stone.

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Florian Tomaszewski

Hygge

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Es wird muggelig, pardon, hyggelig. „Hyggelig“ sei ein im Dänischen und Norwegischen vielfach bemühtes Adjektiv, das „geborgen“, „beschützt“, „gemütlich“, „angenehm“ oder auch einfach „gut“ bedeute. Das zumindest schreiben die Macher von Hygge zu ihrem Heft, dass es seit Midsommar auf dem deutschen Markt gibt. Warum Flachlandbewohnern gerade ein analoges Wort für „hügelig“ in den Sinn kommt, wenn sie an Muschepupu-Atmosphäre, Gemütlichkeit, und Zusammensein denken, bleibt indes ein Geheimnis. Im deutschen G20-Sommer ist das ein wohltuender Kontrast für von der Weltpolitik erhitzte Gemüter. Er hat aber auch etwas von Realitätsflucht oder – weil die Deutschen eben keine Dänen sind – diesen leichten Touch von verstockter Biedermeierlichkeit.

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Naturnah und unverkrampft die Freuden des Lebens genießen – dieses positive Gefühl möchte die Deutsche Medienmanufaktur auch hiesigen Lesern mit Hygge sechs Mal im Jahr nahebringen. Das erinnert ein wenig an Titel wie Flow oder Landlust, die aus dem selben Haus stammen. Auch diese feierten bereits das Selbermachen oder dass weniger manchmal mehr ist. Das schlägt sich auch hier in der Aufmachung nieder: Die ist bewusst reduziert, auf griffigem Papier ohne Hochglanzoptik und gibt dafür Bildern viel Raum.

Als Zielgruppe hat die Manufaktur Frauen ab 25 auserkoren und untermauert dies auch mit einer Umfrage zum Start. Demnach schätzten 90 Prozent der Befragten persönliche Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse mit Freunden und der Familie. Wie viele Männer das auch tun, keine Rede. Warum das einfache Glück, Wolldecken und Lagerfeuer Frauen vorbehalten ist, bleibt ein Geheimnis der Macher.

Warum soll ich das lesen?
Sehen, fühlen, schmecken, draußen sein! Oder, wie der große Naturlyriker Jürgen D. es ausdrückte: „Hej, denn es ist Midsommar und was ist schon dabei?“

Risiken und Nebenwirkungen
Zimtschneckenzuckerschock. Bei all dem wohligen Gefühl wundert es Dich plötzlich nicht mehr, dass Skandinavier die blutigsten Krimis schreiben.

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Manuel Niemann

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