All The Rage

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Die eigenen Worte treffen es manchmal doch am besten: “As fans of popular culture, we want [..] to immerse readers into the creative writing, design and minds emerging from film and games and explore the social or political issues that go hand in hand with [..] modern day technology.” Damit hat sich All The Rage schon ziemlich gut beschrieben. Hier sind tatsächlich echte Fans am Werk, wie es bei Indiemags öfter vorkommt. Zwei andere Beispiele sind Shelf Heroes über Film und Forerunner über Gaming. All The Rage vereint beide Themen und ergänzt sein Spektrum gleichzeitig um den Bereich “Longreads” – also Lesestücke, die Ausführlichkeit über Effekte und Prägnanz setzen.

Okay – die Artikel über z.B. Anonymous sind keine investigativen Meisterstücke. Mit seinen insgesamt knapp 100 Seiten kann All The Rage das auch nicht leisten. Aber trotzdem lässt das Magazin erkennen, in welche Richtung die Reise geht: zum slow journalism, der die Gaming-Kultur ernst nimmt. Und weil es viele Schnittstellen vom Erzählmedium Videogame zu Film gibt, finden auch ein Essay über die Animationsstudios Pixar und Dreamworks in das Heft – oder ein Artikel über den aktuellen Stand des Sci-Fi-Films. Dazu kommen die obligatorischen Games- und Filmkritiken, die auf Tiefe setzen, nicht auf Masse.

Warum soll ich das lesen?
All The Rage ist Spielekultur. Und dabei blickt das Magazin mit großem und ernsthaftem Interesse auf die Gaming- wie auf die Filmindustrie – ohne das spielerische Moment aus den Augen zu verlieren. Am Ende soll das alles ja immer noch Spaß machen!

Risiken und Nebenwirkungen
Barrierefreies Gaming, immersive Storytelling, Virtual Reality: Da kann einem schon mal seekrank werden. Aber es lohnt sich. Auch wenn das beste Gaming-Zine die WASD bleibt.

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Sven Job

Kultur & Gespenster

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Ausgestopfte Tiere und Clogs, der “zeitgenössische Film” und Stephen Kings “The Shining”, Arno Schmidt, Lewis Carroll und Eduard Mörike – was auf den ersten Blick vielleicht nach einer wilden Mischung klingt, ist das stimmungsvolle Ensemble der Kulturzeitschrift Kultur & Gespenster. Wie immer kommt es natürlich ganz darauf an, was für ein Leser Du bist und was Du erwartest. Demzufolge kann die Lektüre dann erhellend und erheiternd sein oder ermüdend und frustrierend. Verstörend gar – oder einfach nur einen schönen Sonntagnachmittag ausfüllen.

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Über all diesen Erfahrungen steht in der 17. Ausgabe von Kultur & Gespenster der Mut zur Lücke. Und zwar die Lücke zwischen den Themenfeldern Wort und Ding, oder die zwischen Lyrik und Prosa. Oder die zwischen akademischem Essay und verständlichem Text. Denn auch wenn sich Kultur & Gespenster immer bemüht, zugänglich zu bleiben und dennoch in die Substanz zu gehen – ohne Fußzeilen geht es manchmal nicht.

Ist schon okay. Wer als Leser selbst den Mut aufbringt, nämlich den, seine Zeit zu investieren, der bekommt von diesem fast 350 Seiten dicken Bookzine dann auch geliefert. Dazwischen Gedichte.

Warum soll ich das lesen?
Schreiben sie ja selbst: Fun ist ein Stahlbad. Und Kultur & Gespenster alles in allem ein bunter Brocken, der Dich gerne mit Tiefgang erschlägt.

Risiken und Nebenwirkungen
Gibt es.

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Sven Job

Bock!

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So so, ein Magazin also für “alle, die Lust auf geilen Scheiß haben”? Und Ihr, liebe Redaktion, findet es eine gute Idee, uns im Anschreiben mit “Pressefresse” anzuquatschen? Weil wir da Bock drauf haben, yeah?

Na egal, passt ja schon. Uns ist klar, dass Bock! eine andere Art Magazin sein soll. Ein Gagazin, so die Eigenbeschreibung. Was die Jungs um einen gewissen Basilius Bock (das greinende Maskottchen auf dem Titel) so für geil halten, ist natürlich Ermessenssache.

Also, unter “geilen Scheiß” fallen in der ersten Ausgabe: Karl Dall und Kai Diekmann, Falschparker fertig machen und ein bisschen Angela Merkel verarschen, Steve McQueen und Thunfisch. Hier und da gibt’s eine Karikatur. Und einen Bericht über Kacke, ganz richtig. Interessanterweise keine nackten Frauen, auch nicht im Heft-Teil “Bock auf Kerlskram”. Dafür aber Wortspiele, oh Gott, diese Wortspiele. Eine Randnotiz ist eine “Rindnotiz”, dann gibt es noch die “Exkre-Mentalistin” und den “SchleBaZ”. Alles zusammen ergibt eine, sagen wir mal, wilde Mischung. Bock! wirkt wie eine sehr individuelle Ansammlung von Ideen und Interessen einer einzigen Person.

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Diese Person wird wohl Peter “Der Bulo” Böhling sein, der mit Clap bereits ein einigermaßen schräges “People-Magazin für die Kommunikationsbranche” herausgibt. Und bei Bock! als “Chefpraktikant” geführt wird. Okay. Jetzt hat er aus vielen Inhalten, die spitzenmäßig in ein Blog passen würden, ein Magazin gemacht. Und dann kann jeder mal selbst gucken, ob er Bock drauf hat.

Warum soll ich das lesen?
Wenn Du auf wilde Mischungen stehst. Oder besser noch, wenn Du Peter “Der Bulo” Böhling bist.

Risiken und Nebenwirkungen
Als Leser labert Dich Bock! die ganze Zeit so von der Seite an. Wenn Du das magst, schau mal rein. Bonuspunkt gibt’s aber für den alten MAD-Illustrator Ivica Astalos, der die letzte Seite gestalten durfte. So endet diese Rezension doch mit einem Lechz.

> Bock! – das Gagazin online

Sven Job

Vorn

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Ein Fotoband, mehrere hundert Seiten dick. Ein Traum für jeden Visuell-Begeisterten, ein Alptraum für jeden Rezensenten. Denn mal ehrlich, was soll ich schon schreiben zu Vorn, das mit Fotografien glänzt, klar, und mit Skizzen, Grafiken, Installationen und Illustrationen, die zwischen Kunst und Reportage hin- und herpendeln? Die mit Ideen überraschen, die mal morbide sind, mal heiter, mal eindringlich, mal unmittelbar, mal artifiziell?

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Pop Art, Cut Up, Collagen, Montagen: Und dann blätterst Du um, und es kommt ein blauer Kreis auf schwarzem Grund. Oder dieser Irre, der vielleicht nächster Präsident in den Vereinigten Staaten wird. Oder Mark Zuckerberg. Okay?

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Okay. Wie bei vielen Bildmagazinen stellt sich unweigerlich die Frage, wer hier die Zielgruppe ist. Manchmal kostet so ein Magazin 8, manchmal 40 Euro. Der Nutzwert ist der Coffee Table. Dort macht sich Vorn aber mit Sicherheit sehr gut.

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Warum soll ich das lesen?
Eine wahllose Folge von Fotografien und Abbildungen – das ist wie hunderte Filme ohne Ton. Die Geschichte denkst Du Dir selbst dazu.

Risiken und Nebenwirkungen
Irgendwann hörst Du nur noch ein Fiepen im Ohr. Das gehört dazu.

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Sven Job

Shelf Heroes

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Obwohl gefühlt immer mehr (aber auch immer schlechtere) Filme monatlich die Kinos fluten, bleibt das Angebot an deutschsprachigen Filmmagazinen mager. Neben Cinema, die nach unzähligen Relaunches mittlerweile eher den Mainstream abdeckt, gibt es einige Branchenblätter, und das war es schon. Wer etwas mehr Leidenschaft und Deepness sucht, muss auf den englischsprachigen Markt ausweichen und beispielsweise zu Little White Lies greifen. Oder zu dem tollen Fanzine Shelf Heroes von Ben Smith.

Das besondere an Shelf Heroes: Es arbeitet sich mit jeder Ausgabe weiter durch das Alphabet. Die Aufgabe an die Autoren: “Pick a film that begins with the letter D. Go create something.” So einfach. So genial. Diese Freiheit führt zu einer interessanten und überraschenden Filmauswahl. In welchem anderen Magazin findet man schon “Dumbo” neben “Die Hard”?

Die Texte heben sich von reinen Filmbesprechungen ab, und nehmen den ausgewählten Film als Ausgangspunkt für kluge Gedanken und tiefergehende Betrachtungen einzelner Genres, wie bei den Filmen “Dante’s Peak” oder “Django Unchained”. “Demolition Man” ist sogar Grundlage für eine Kurzgeschichte. Als Bonusmaterial gibt es tolle Illustrationen, die Shelf Heroes umso mehr zu einem Geheimtipp für Cineasten machen.

Warum soll ich das lesen?
Du hast das Kino schon fast aufgegeben? Shelf Heroes könnte Deine Leidenschaft wieder entflammen.

Risiken und Nebenwirkungen
Hier reichen sich Donnie Darko und Honey Ryder die Hand. Mal ehrlich, was willst Du denn mehr?

> Shelf Heroes online

Florian Tomaszewski

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