Gentle Rain

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Post von Freunden, Post aus Hamburg – ist uns immer willkommen. Die Jungs hinter Indiemags und der Indiecon mischen die Magazinlandschaft jetzt selbst auf – und bringen mit Gentle Rain das erste englischsprachige Stadtmagazin für Hamburg heraus.

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Im schmalen Bookzine-Format, schön griffige Haptik – die Macher sind Mediendesigner slash Zine-Experten und wissen daher, wie man so ein Projekt angeht. Und behalten dabei auch immer ihr Publikum im Auge: uns junge Menschen und Junggebliebene nämlich, die sich für Airbnb entscheiden anstelle des Hotels, für das entspannte Café und nicht für Starbucks, für Individual und nicht Pauschal. Für Reise- und Absteigetipps gibt es Tripadvisor und für die Orientierung in der Fremde Google Maps. Reiseführer im Druckformat braucht dafür keiner mehr. Darum geht es bei Gentle Rain auch nicht.

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Es geht darum, ein Gefühl für eine Stadt zu entwickeln, die man sich ohnehin selbst erschließt. Gentle Rain unterstützt einen dabei, indem es Geschichten erzählt. Von Menschen, die in dieser Stadt ihre Träume verwirklichen, egal ob in der Kneipe, im Start-Up oder in der Kunstgalerie. Oder von Hamburg selbst, wo zwischen dem Schanzenviertel unten und der Elbphilharmonie oben für alle Platz ist. Und dann ist da ein Exkurs in Stadtarchitektur, der mir besonders gefällt, über die hängenden Gärten von Hamburg, sozusagen. Ein gigantischer Flakturm, auch bekannt als Club ”Uebel & Gefährlich”, steht mitten in der Stadt und soll nun einen grünen Garten aufgesetzt bekommen – was sagen die Anwohner zu dem Plan, wie soll das alles werden?

Zwei Ausgaben sind pro Jahr geplant. Wer nicht im Norden Deutschlands unterwegs ist, muss die Augen offen halten – oder einfach auf der Website vorbeischauen, wo das Magazin auch erhältlich ist.

Warum soll ich das lesen?
Gentle Rain ist ein Begleiter für alle, die keinen Begleiter brauchen. So zurückhaltend und easy, wie die Elbmetropole selbst. Und damit typisch hanseatisch.

Risiken und Nebenwirkungen
Über die Reeperbahn torkeln, “König der Löwen” sehen und das beste Fischbrötchen der Stadt genießen. Auch das ist Hamburg, aber tja, da will Dir Gentle Rain gar nicht weiterhelfen!

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Sven Job

Kinemalismus

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Erst neulich habe ich mich über das dürftige Angebot an deutschsprachigen Filmmagazinen gewundert, schon klopfen Kinemalismus und sein Herausgeber Joachim Sperl an die Tür. Die kleine, unabhängige Publikation aus Hamburg will dem Thema mit Witz und Satire begegnen. Funktioniert das?

Das Heft erscheint seit 2015 in unregelmäßigen Abständen und stellt mit jeder Ausgabe ein Genre in den Mittelpunkt – nach Horror-Klassikern nun also Sci-Fi-Filme der 70er und 80er Jahre. “Star Trek”, “Star Wars”, “Blade Runner”: Die Referenzen dieser Film-Gattung sind nicht die schlechtesten und finden neben einigen anderen auch ihre Berücksichtigung in Kinemalismus. Aber leider stört etwas das Lese-Vergnügen: der Humor, der ja Alleinstellungsmerkmal des Magazins ist.

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Worüber man lacht, ist meist subjektiv, klar. Jedoch wird in Kinemalismus nicht immer sofort klar, was Satire ist und was nicht. Denn auch ernsthafte Texte findet man in dem Heft und meist wird erst nach einigen Zeilen deutlich, womit man es zu tun hat. Das ist etwas schade, bietet das Thema doch so viel mehr, als Gags und Zoten. Besonders deutlich wird dies in den Satire-freien Artikeln, wie der Artikel über “Terminator 2″. Sowas lese ich persönlich lieber als eine Kontaktanzeige von Mr. Spock (ja, die gibt es im Heft auch).

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Überzeugen können auf jeden Fall die Illustrationen, die von verschiedenen Grafikern und Designern angefertigt wurden. Durch den Verzicht auf die üblichen Film-Stills bekommt Kinemalismus einen eigenen Look. Ausgabe 3, die im Dezember erscheinen soll, widmet sich dann übrigens einer unserer Herzensangelegenheiten: dem 80er-Jahre-Film. Vielleicht ist der Heft-Humor in diesem Genre dann auch besser aufgehoben?

Warum soll ich das lesen?
Dem Sci-Fi-Genre ein wenig die Ernsthaftigkeit nehmen. Warum nicht?

Risken und Nebenwirkungen
Das wirst Du spätestens dann wissen, wenn Du versuchst, über “Blade Runner” zu lachen.

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Florian Tomaszewski

Das Mag

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Also manchmal ist es ganz leicht. Da halte ich ein Magazin in den Händen, das sich schick anfühlt, das grandios aussieht und mit seinem angenehmen Layout verzaubert. Und das inhaltlich alles einlöst, was das edle Äußere verspricht.

Flandern und die Niederlande sind dieses Jahr Ehrengäste der Frankfurter Buchmesse. Das passt gut, denn die junge Literaturszene dort hält alle Trümpfe in der Hand. Das fängt mit der Haptik an: ein schraffiertes Cover mit Marmor-Titel und Gold-Prägnierung. Schließlich ist dieses Heft ein “Best Of”, das zum ersten Mal in deutscher Sprache das Werk einer nachstrebenden Szene darstellt, wie es das Original-Magazin in niederländischer Sprache schon eine ganze Weile tut. Das Mag ist ein Schaufenster in eine andere Welten, in denen der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind – zunächst in einmaliger Auflage gedacht.

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Dann im Heft: Geschichten mit Tiefgang und Feinsinn, Witz und Einsicht. Aber ohne Pathos oder diesem gewissen naiven Spirit, der bei jungen Poeten zuweilen zum Paket gehört. Man merkt: Ich steh eigentlich nicht so auf Gedichte. Habe ich die hundert Seiten Das Mag durch, rufe ich: Flandern – wer kann, der kann!

Warum soll ich das lesen?
Du wirkst belesen und zeigst Geschmack, musst aber nicht viel dafür investieren. Das kann man aber auch positiver formulieren (siehe oben).

Risiken und Nebenwirkungen
Sind Deine Gäste beeindruckt? Geht so. Mehr niederländisch als “Ik krijg twee frikandel” kannst Du nämlich auch nicht.

> Das Mag online

Sven Job

ZurQuelle

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Es tobt der Generationenkonflikt, und da bekommen nicht nur die Alten, auch die Jungen kräftig einen auf den Deckel. Verspießt, auf Nummer sicher, langweilig und humorlos soll sie sein, die Generation Y. Die treiben sich doch inzwischen lieber im Baumarkt als im Berghain rum, verdammt noch mal! Zum Glück gibt es noch ein oder zwei Studentenmagazine, die das Gegenteil beweisen. ZurQuelle gehört dazu.

In jeder Ausgabe gibt’s ein Thema, das letzte Mal war es “Schmutz”, aktuell ist es der Dauerbrenner “Grenzen”. Da geht natürlich alles: An seine Grenzen gehen, diese überschreiten, Mauern einreißen – oder lieber wieder aufbauen. Ein todernstes Studentenmagazin, das keiner gerne liest – davon gibt’s doch schon genug an deutschen Unis.

Hier ein Beispiel: Im Pop-Interview mit den Vengaboys (ganz richtig, den Vengaboys) geht’s eigentlich nur um Dildos und Bang Bang. Die Boys und Girls aus der ZurQuelle-Redaktion können sich einem Thema aber auch etwas ernsthafter sein. Etwa, wenn von Drogenkriegen und -legalisierung die Rede ist. Oder wenn ein anderer Text schildert, wie eine Beziehung in die Brüche geht, weil er als Verbindungsstudent und sie einfach nicht zusammenpassen. Bittersüß ist das ein bisschen.

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Um es als Student zu formulieren: ZurQuelle ist als Magazin die Abschlussarbeit mit Sternchen, nicht das uninspirierte Referat im Grundlagenkurs. Hoffentlich noch viele Semester lang.

Warum soll ich das lesen?
Für Erkenntnisse wie: Der Venga-Bus kommt immer noch. Und für Sätze wie “Die nachträgliche Umdeklaration von Dummheit zu Ironie ist eine Erfindung der Berliner” muss man die Potsdamer Studis gernhaben.

Risiken und Nebenwirkungen
Dein Umfeld nennt Dich sowieso schon “berufsjugendlich” und jetzt hast Du auch noch ein Studi-Magazin abonniert? Ach egal, die verstehen doch nix!

> ZurQuelle online

Sven Job

No Sports

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Nach der EM in Frankreich ist vor Olympia in Rio. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass eine Fußballredaktion mitten in der heißesten Phase des Fußball-Hypes ein Magazin auf den Markt wirft, in dem es um alle Formen der Leibesertüchtigung gehen soll, nur nicht um Fußball?

Die 11Freunde tun es. Die Macher des in Berlin-Friedrichshain beheimateten Monatsblatts für den Soziologie studierenden Wochenend-Hooligan erweitern mit No Sports das Portfolio und den eigenen Horizont. Mit dem Umstand, dass hier die selbst ernannten Bewahrer der Fußballkultur am Werke sind, gehen sie offensiv um. So prangt schon auf dem Cover der Claim “Ein Freund von 11Freunde”.

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Das gesamte “Look and Feel” erinnert stark an das Mutterschiff. Die Rubriken, die Form der Beiträge, Layout – einfach alles. Das Volkssport-Konzept soll auch in der vermeintlichen Nische zum Erfolg führen. Das ist auch durchaus realistisch, denn weder Wort noch Bild langweilen an irgendeiner Stelle.

Auffällig ist, dass sich die Autoren eher aus der “alten Garde” der 11Freunde-Redaktion und deren Umfeld rekrutieren. So bekommt man auch eine Idee davon, wie es zum Heft kommen konnte: Nach 16 Jahren und 176 (regulären) Heften, mag einem auch das größte aller großen Spiele auserzählt vorkommen.

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Also jetzt Tennis, Boxen, Golf – höher, schneller, weiter. Auch Radsport, Hockey und schnelle Autos fahren bekommen ihren Platz. Sogar der ehrbare Versuch, dem Kontinentaleuropäer Cricket zu erklären, wird unternommen.

Warum soll ich das lesen?
Wie kommt es, dass der Kneipensport Darts auf einmal Massenphänomen ist? Was kann eine Weltcupsiegerin im Sportschießen an der Kirmesbude? Und wird Rugby in Deutschland je funktionieren? Antworten gibt’s hier.

Risiken und Nebenwirkungen
Eurosport wird jetzt wirklich zu jeder Uhrzeit interessant.

> No Sports online

Christian Vey

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