The Carton

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Die Komplexität und Reichhaltigkeit des Nahen Ostens ist nicht nur politisch und geografisch zu verstehen. Auch die Esskultur der Region ist vielfältig und kaum zu überschauen. Der Nahe Osten war immer Schmelztiegel der Welt und so haben die verschiedensten Einflüsse mit der Zeit zu einer einzigartigen Küche geführt, die alle Sinne beansprucht. Dieser Küche widmet sich das Magazin The Carton und bringt uns den Nahen Osten damit wohl näher, als es sämtliche Politmagazine könnten.

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Alle vier Monate bringen Jade George und Rawan Gebran The Carton heraus, mittlerweile sind sie bei der 9. Ausgabe angelangt. Für jede Veröffentlichung arbeiten die beiden mit verschiedene Autoren und Fotografen zusammen. Dabei nehmen sie den Leser an die Hand, streifen durch die engen Gassen Kairos, werfen einen Blick in die Küchen Beiruts und probieren Street Food in Damaskus. The Carton ist kein reines Kochmagazin, sondern stellt immer auch die Verbindung zur Kultur, modern und traditionell, her. Ähnlich, wie es auch Mood macht, das übrigens in der aktuellen Ausgabe auch vorgestellt wird.

Jede Veröffentlichung ist ein liebevoll gemachtes Kunstwerk, das sich einem interessanten Thema annimmt und aus einer Region berichtet, von der wir viel zu wenig wissen. Und übrigens sorgen die tollen Fotografien für immensen Hunger nach der Lektüre.

Warum soll ich das lesen?
Der Nahe Osten erscheint kompliziert und rätselhaft. Vielleicht kannst Du Dich ihm über seine Küche nähern.

Risiken und Nebenwirkungen
Wie gesagt, Du könntest danach großen Hunger haben. Geh vielleicht schon vor dem Lesen einkaufen.

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Florian Tomaszewski

Kot & Köter

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Hunde sind wie Babys: Sie sind laut, sie triefen, haben immer Hunger und nachts kann man wegen dieser zarten Wesen nicht schlafen. Ein Kinderhasser-Heft lässt noch auf sich warten, aber was den besten Freund des Menschen betrifft, tut sich was: Kot & Köter hängt seine nasse Schnauze in den rauen Wind der deutschen Presselandschaft.

Dabei war die “Zeitschrift für den deutschen Hundefeind” jahrelang erst nur Kneipenidee, dann In-Joke, mit der Erfinder und Journalist Wulf Beleites als Agent Provocateur durchs deutsche Fernsehen tingelte. Und erst seit einem halben Jahr ist daraus ein echtes Magazin geworden. Crowdfunding macht das alles möglich. Eine Entwicklung, die schöner ist als jeder Chihuahua in einer Gucci-Handtasche. Und mehr Ärger erzeugt als ein Hundehaufen inmitten einer beliebten Flanierpromenade (Empfehlung: Einfach mal die Zuschriften lesen, die Beleites auf seiner Site eingestellt hat).

Überzüchteter Mutantenstadl

Aber Kot & Köter teilt auch ganz gut aus; in Essays, Gedichten, Reportagen und sogar Rezepten zum Nachkochen (!). Kostprobe gefällig? Es geht um den Mops: “Diese fetten Ratten, oft schwarz-weiß, dann an der Kordel [...] an denen der Süff dieses ständig vor sich hin schnaubenden, röchelnden, kotzenden, pissenden und scheißenden Mistwiesels tropft.” Was soll man dem noch hinzufügen?

Fazit: Das Potential in Kot & Köter ist da. Und darüber hinaus ist die Idee sympathisch, seinen Hass zu pflegen, indem man ihn in Heftform am Kiosk kaufen und dann in der Straßenbahn lesen kann – anstatt ihn immer nur runterzuschlucken. Hat Kot & Köter Erfolg, ist da noch viel Luft nach oben – oder unten – für neue Magazine: ein Magazin über Menschen, die ungefragt und ungemeldet ihren Elektroschrott auf der Straße abstellen zum Beispiel. Oder die am Ende von Rolltreppen erst einmal stehen bleiben. Über Tauben, die Ratten der Lüfte. Mario Barth. Ein ganzes Imperium an neuen Magazinen ließe sich errichten – der innere Schweinehund muss nur von der Kette.

Warum soll ich das lesen?
Der Wahnsinn kackt auf die Straße, hat Schaum vor dem Mund und riecht schlecht. Und liegt als Heft von nun auf Deiner Bettkommode.

Risiken und Nebenwirkungen
Argentinischer Dackelrücken? Das mundet. Dir zumindest: Beim gemeinsamen Kochen sind Deine Mitbewohner einigermaßen geschockt. Vielleicht musst Du schon morgen ausziehen.

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Sven Job

Introducing: Zines of the Zone

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Julie and Guillaume from Zines of the Zone

Wouldn’t it be awesome to travel through Europe, have a short stay here and there, meeting old friends and making new ones in the process? Julie und Guillaume are on a real long road trip and combined this adventure with their great passion for Zines. They build up an international library for Zines called Zines of the Zone. In all of Europe, there is a massive scene of people creating their own photo and indie zines, printing them and putting them together all in one. Along with their friends Basile and Sergej, Julie und Guillaume go from city to city, showing their collection of Zines and picking up new ones. A story that should never end. I met the two for a short chat.

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Hi! That’s a wonderful project you have. Maybe you just introduce yourself?
Julie Hascoët: We are a group, changing and open. We are a non-profit organization from Nantes and mostly we are interested in visual arts.

What’s the motivation behind your project?
Julie: Travelling around Europe! And we love photo books and zines. We want to build a public archive and meet the publishers to get the story behind their books. We’re interested in everything that is self-published: Photo Zines and books, independent magazines and newspapers.

Okay. Where have you been so far?
Guillaume Thiriet: Oh. We went to Spain, Italy, Portugal, the Balkan countries, Turkey, Bulgaria, Romania, Hungary, Czech Republic, Austria, Germany, Poland and the Baltic countries, Scandinavia, then back to Germany and we still have months to go before we go back to France! On our first German stay, we did Berlin and Leipzig. Now we’re on our way to the Netherlands we’ve visited Hamburg and now Cologne.
Julie: We started at the end of January. We started with 250 books and now we have 700.

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Where do you find the magazines when coming to new cities?
Julie: Well, we spent one year building our library and getting in touch with local publishers. Each time we are in a new city, we organise events and invite local publishers to come and bring their book or zine. This way, we collected 450 books already. Here in Cologne, it’s our 41st event now. It’s nice, people just come by and say: “Hey, I brought something for you”. Sometimes, when we come to a new city, mail with new zines is already waiting for us at our host’s address.

Amazing. We wish you many more great Zines for your collection and a great trip through the rest of Europe!

> Zines of the Zone online
> Eine Übersicht über die Fanzine-Sammlung
> Tumblr über die Reise durch Europa

Das Gespräch führte Sven Job

 

Boneshaker

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Ein Fahrrad ist nicht nur praktisch, sondern auch verdammt cool. Möglichst retro, möglichst individuell. In den Großstädten prägen schnauzbärtige Jünglinge auf geschmeidigen Rennrädern mittlerweile das Straßenbild. Selbst in den USA entdecken sie gerade die Lust an der Pedale und ziehen rechts und links an spritfressenden SUVs vorbei. Dieser Trend ist natürlich nicht am Magazinmarkt vorbeigegangen. Von Bristol aus wird Boneshaker veröffentlicht und richtet sich an alle, denen ihr Fahrrad mehr als ein Fortbewegungsmittel ist.

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Das werbefreie Heft hat einen wunderbaren Look, satte Farben und eine abwechslungsreiche Gestaltung. Besonders die Cover sind immer ein kleines Kunstwerk für sich. Außerdem ist sein handliches Format ideal für jede Satteltasche. Boneshaker blickt auf die Geschichte des Fahrrads zurück, stellt Enthusiasten und sympathische Spinner vor, gibt aber auch einen Einblick in fremde Kulturen, wie beispielsweise Indien und seine Rikscha-Fahrer. Eine rundere Sache als Boneshaker ist nur der Reifen Deines Mountainbikes.

Warum soll ich das lesen?
Radfahren und lesen. Welch wunderbare Kombination!

Risiken und Nebenwirkungen
In frühestens vier Wochen kann der Gips wieder ab. Gute Besserung!

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Florian Tomaszewski

Augustin – Die erste österreichische Boulevardzeitung

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Nächstes Jahr feiert der Augustin, die “erste österreichische Boulevardzeitung”, sein zwanzigjähriges Jubiläum. Nun verbindet man mit Wien, dem Hauptverteilungsort des Augustins, nicht zuerst soziales Elend und Obdachlosigkeit. Wien, das sind Opern und Bälle. Wien, das sind toller Kaffee und Sachertorte. Wien, das ist Jahrmarkt an 365 Tagen im Jahr! Alles leiwand. Und dort heißen die Straßenzeitungen “Boulevard”, das sagt doch schon alles. Aber schon immer galt, wo viel Geld, da auch viel Elend. Und das gilt auch für Europa im Zeitalter der Krise. Krise kommt übrigens vom griechischen “krinein”, was “sich unterscheiden” heißt. Doch wovon unterscheidet sie sich noch, wenn sie permanent da ist?

Der Augustin, der von einem recht großen Team an Sozialarbeitern betreut und von 450 Verkäufer/innen verteilt wird, ist nicht nur aus Mitleid eine lohnenswerte Anschaffung. Klar, das wird für viele der Grund sein, das Heft das erste Mal zu kaufen. Aber die Menschen, mit denen ich in Wien über die Zeitung ins Gespräch gekommen bin, schienen sich auf die zweiwöchentliche Neuerscheinung wirklich zu freuen. Für viele ist der Augustin ein Teil der Stadt. Die Themen und die Sprache sind auch alles andere als banal. Professor Fritz Hausjell vom Publizistik-Institut in Wien nannte ihn einmal das “soziale Gewissen Wiens”. Bestimmt nervt dieses Gewissen die so sehr auf Prunk und Pomp fokussierte Stadt genau so, wie das eigene Gewissen nervt, wenn man abends mal wieder richtig über die Stränge geschlagen hat. Dabei ist es doch das, was einen am Leben hält. Und gerade eine Stadt, die zu einem einzigen Museum zu werden droht, braucht ihren Augustin. Das Leben findet auf den Straßen statt, und nicht vor den goldbesetzten Gustav Klimt-Gemälden.

Warum soll ich das lesen?
Klug und kritisch zugleich muss eine Zeitung erst einmal sein – der Augustin ist beides.

Risiken und Nebenwirkungen
Beim nächsten Mal “Sissi” im Fernsehen wirst Du das verzerrte Bild von Österreich kaum mehr ertragen. Alles wird einem kaputt gemacht.

> Augustin online

Ulrich Mathias Gerr

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