Was liest du, Nicole Rüdiger?

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Wichtige Informationen, die einem im Leben vielleicht mal weiterhelfen können, prägen sich unwiderruflich und für immer ein. Dass eine Erektion über 45 Grad laut Gesetz harte Pornografie ist, gehört unbedingt dazu! Zu verdanken haben wir diese Auskunft Nicole Rüdiger, während unserer Recherche zum Jungsheft/Giddyheft. Rüdiger bringt diese “Pornohefte” gemeinsam mit Elke Kuhlen heraus. Und die üblichen Assoziationen zum Begriff “Porno” sollte man schnell über Bord werfen. Harte Interaktionen finden in den Heften nämlich nicht statt, viel nackte Haut schon. In welchen Magazinen blättert jemand, wenn er oder sie auch mal angezogene Menschen sehen will?

Was liest du, Nicole Rüdiger?

Jede Ausgabe des Fluter hat einen Schwerpunkt, der das jeweilige Thema in Fakten, Informationen und Geschichten zusammenfasst. Die Themen sind immer aktuell und die Artikel nie belehrend geschrieben. Meine Lieblingsausgaben waren “Russland”, “Afrika” und “Geschlechter”. Das Magazin wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben. Unbedingt abonnieren und Fan werden.

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Le Monde diplomatique ist eine Monatszeitung, die für mich auf dem Land nur schwer zu erwerben ist. Wenn ich sie dann bekomme, lese ich sie von der ersten bis zur letzten Seite. Die politischen Hintergründe und auch die Themen finde ich immer sehr gut recherchiert. Die einzige Zeitung, aus der ich mir Artikel ausschneide und auch an Freunde verteile oder sammle. Ein Abo habe ich soeben abgeschlossen.

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Bedingt durch meinen Urlaub in Südfrankreich und dem damit verbundenen Surfkurs, habe ich im Camp mit The Red Bulletin zum ersten Mal ein Magazin gelesen, das sich mit Surfen und Extremsportarten beschäftigt. Dadurch, dass sich für mich eine neue und spannende Parallelwelt aufgetan hat, fand ich die Artikel natürlich klar am gesponserten Team orientiert. Für mich als Neuling dennoch informativ.

Das Jungsheft/Giddyheft findet ihr auch online. Wir danken dir, Nicole!

stern Crime

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Mord und Totschlag. Das Krimi-Genre ist in Deutschland äußerst populär. Ob im Fernsehen oder auf den Bestsellerlisten: Es wird gemordet, ermittelt und überführt. In unserem Land gibt es nicht nur 80 Millionen Trainer der Fußballnationalmanschaft, sondern ebenso viele Kommissare, die doch von Anfang an den schmierigen Schwiegersohn verdächtigt haben.

Weil aber der Begriff “Krimi” mittlerweile etwas zu sehr nach Tatort und “Wo waren Sie am Dienstagabend?” klingt, gibt es jetzt das Sub-Genre “True Crime”. Alles wahr, alles echt, genauso passiert. Mit der Rezeptur hat schon Eduard Zimmermann eine ganze Generation traumatisiert. Und nun zittern wir eben bei dem Podcast “Serial” oder dem Netflix-Hit “Making a Murderer”. Echter Grusel durch echte Fälle. Der Zeitpunkt für das Release von stern Crime im letzten Jahr war also gut gewählt. Und in der Tat: Das Magazin konnte sich äußerst erfolgreich am Kiosk etablieren und hat, mittlerweile bei der achten Ausgabe angelangt, seine Stammleserschaft gefunden.

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Bei diesem Thema von einem Lesevergnügen zu sprechen, mutet vielleicht seltsam an. Tatsächlich aber legt man das Heft, einmal aufgeschlagen, nicht so schnell aus der Hand; menschliche Abgründe sind schließlich ein starker Sog. Und von diesen hat stern Crime einige zu bieten. Von spektakulären bis zu absurd banalen Kriminalfällen – die damit aber nicht weniger erschreckend sind. Das alles verpackt in fesselnde Reportagen, die puren Voyeurismus glücklicherweise vermeiden. Punkten kann stern Crime auch äußerlich, orientieren sich die Macher bei ihrer düsteren Covergestaltung doch an Kriminalromanen. So fällt das Magazin in der Zeitschriftenauslage sofort auf und bereichert den Markt. Auch wenn man zur Abwechslung dann wieder besser ein Lustiges Taschenbuch liest.

Warum soll ich das lesen?
Weil das Böse leider so verdammt faszinierend ist.

Risiken und Nebenwirkungen
Eine hohe Stromrechnung. Schließlich kannst Du nur noch bei eingeschaltetem Licht einschlafen.

> Stern Crime online

Florian Tomaszewski

 

Period.

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Die Schwedin Lena Modigh hat mit Period. ein Magazin geschaffen, in dem man sich mal einen Sonntag lang verlieren kann. Period. kommt ohne viele Worte aus. Im Mittelpunkt stehen Porträtaufnahmen von selbstbewussten Frauen. Diesen hat Modigh – die Period. nicht alleine, sondern mit Hilfe zahlreicher Freund*innen stemmt, wie sie schreibt – auch die erste Ausgabe gewidmet: “This is all about being women and fucking cool, because all women are fucking cool, regardless of however they look and whoever they fuck. Period.” Dieses Statement ist gleichzeitig eine Ankündigung für alles, was kommt. Period. ist persönlich und damit auch politisch. Das zeigen vor allem die über 80 Seiten der zweiten Ausgabe des Zines, die sie ihrer Mutter gewidmet hat. Ihrem Anspruch, die vielen Seiten von Mutterschaft zu zeigen wird sie mehr als gerecht. Nichts könnte das Gefühl beim Durchblättern der Ausgabe besser beschreiben als Modighs eigene Worte: “I’m not a mother, but I have one”.

Mit Period. hat sich die Macherin den Raum und die Freiheit genommen, mit Fotografien Geschichten zu erzählen. In einer Zeit von Instagram, in denen eine Aufnahme schneller im Feed-Nirvana verschollen ist als man “Moment, ich schick dir das mal!” sagen kann, ist das eine mutige und wunderbare Idee. Period. ist ein zeitloses Werk, das man schnell durchblättern, aber auch auf sich wirken lassen kann.

Und wem das alles als Inhalt für ein Magazin nicht ausreicht, kann Period. immer noch auf seinen Nachtschrank legen und damit Interior Design begeisterte Freund*innen beeindrucken. Wäre aber eine Verschwendung.

Warum soll ich das lesen?
Instagram erzählt keine Geschichten. Period. schon – und zwar welche, die hängen bleiben.

Risiken und Nebenwirkungen
Die Pragmatischen unter uns werden kurz mal die Internetseite der schwedischen Migrationsbehörde abchecken, wie das mit dem Auswandern so geht. Gefühlsduselige kramen beim nächsten Besuch bei den Eltern die alte Fotobox raus und widmen Mama eine Collage. Und der Schwester. Und anderen tollen Frauen. Ich glaube, das nennt man Empowerment.

> Period online

Hanna Forys

Was liest du, Markus Böhm?

Markus

Für das Netzwelt-Ressort von Spiegel Online beschäftigt sich Markus Böhm hauptsächlich mit der digitalen Welt: Apps, Games, Internet. Trotzdem ist Böhm jemand, der Zeitschriften liebt. Immer schon. Immer noch. Seit 2011 betreibt er den Blog Kioskforscher, der 2013 für den Grimme Online Award nominiert wurde und auch von uns regelmäßig aufgesucht wird. Auf seinem Blog stellt Böhm skurrile Magazine vor, die vor allem beweisen, wie vielfältig der deutsche Printmarkt ist: Für jeden was dabei. Aber weil Böhm nicht nur Angler-Magazine oder die Stadlpost lesen kann, wollten wir wissen, womit er sich von seinen Recherchen erholt.

Was liest du, Markus Böhm?

SZ

Für mein Blog kaufe ich gern neue und skurrile Magazine. Bei Reisen gehe ich aber meist auf Nummer sicher und lese bewährt Gutes wie brand eins oder 11Freunde. Eine gute Wahl ist auch das SZ Magazin, das neben mich langweilenden Mode-Inhalten oft wirklich originelle Themen und Artikel bietet. Und – auch wichtig – die Geschichten sind gut recherchiert und aufgeschrieben. Zuletzt hat mich ein Text übers Sterben sehr bewegt. Schade ist, dass es das Magazin nur freitags als Beileger der Süddeutschen Zeitung gibt. Oft stehe ich Samstag am Kiosk und denke “Mist, zu spät”.

Fleisch

Meines Wissens in Deutschland nur im Abo gibt es Fleisch, ein Wiener Gesellschaftsmagazin. Mein Sechs-Hefte-Abo ist zwar bereits wieder ausgelaufen und ich bin zu faul, ein neues abzuschließen: Aber wenn es mich mal ins Nachbarland verschlägt, würde ich sofort wieder eine Ausgabe kaufen. Denn Fleisch sieht nicht nur schick aus – ich mag sogar die verwendete Schriftart -, sondern die Redaktion hat auch fantastische Themen- und Formatideen. Und ich kenne keinen unterhaltsameren Weg, als Deutscher etwas über Österreich und seine Sorgen zu erfahren.

SternCrime

“Serial”, “The Jinx”, “Making a Murderer”: Über die letzten Jahre und Monate hinweg bin ich Fan des True-Crime-Genres geworden, ob nun in Podcast- oder Serienform. Und auch auf Papier faszinieren mich seltsame, ungelöste oder erst Jahre später geklärte Verbrechen, wie sie Stern Crime sammelt, in düsterer, aber ansprechender Aufmachung. Gute Laune macht das Magazin nicht, aber hin und wieder ist mir eben nach einem Trip in die Welt des Grauens und der Serienmörder und Affektkiller.

Wired

Englischsprachige Zeitschriften kaufe ich selten, vor allem weil sie am Bahnhofskiosk meistens irrsinnig teuer sind. Manchmal aber gönne ich mir ein Heft wie das Spielemagazin Edge oder das Männermagazin Esquire. Am regelmäßigsten lese ich noch die amerikanische Wired, der es sehr gut gelingt, Technik- und Gesellschaftsthemen zusammenzubringen, und die neben Kurztexten auch lesenswerte längere Reportagen bietet. Mit dem deutschen Wired-Ableger bin ich bisher nicht so recht warm geworden.

WASD

Auch nicht günstig, aber gut ist die WASD. Das “Bookazine für Gameskultur” sammelt meistens essay-artige Texte verschiedenster Autoren, ein Oberbegriff wie “Retro” oder “Skandal” hält sie thematisch zusammen. Dadurch, dass Spielebesprechungen nur einen kleinen Teil des Magazin ausmachen, sind die Hefte auch einige Monate später noch interessant. Ich mag an WASD vor allem, wie nerdy das Heft ist: So gibt es in der “Retro”-Ausgabe zum Beispiel ein Pro und Contra zu Feuerbällen in Fantasy-Rollenspielen. Das Thema bewegt vielleicht nicht jeden: Aber wenn, dann sehr.

Noch mehr Zeitschriften gibt es im Kioskforscher-Blog von Markus Böhm zu entdecken! Wir danken dir, Markus!

Gentle Rain

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Post von Freunden, Post aus Hamburg – ist uns immer willkommen. Die Jungs hinter Indiemags und der Indiecon mischen die Magazinlandschaft jetzt selbst auf – und bringen mit Gentle Rain das erste englischsprachige Stadtmagazin für Hamburg heraus.

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Im schmalen Bookzine-Format, schön griffige Haptik – die Macher sind Mediendesigner slash Zine-Experten und wissen daher, wie man so ein Projekt angeht. Und behalten dabei auch immer ihr Publikum im Auge: uns junge Menschen und Junggebliebene nämlich, die sich für Airbnb entscheiden anstelle des Hotels, für das entspannte Café und nicht für Starbucks, für Individual und nicht Pauschal. Für Reise- und Absteigetipps gibt es Tripadvisor und für die Orientierung in der Fremde Google Maps. Reiseführer im Druckformat braucht dafür keiner mehr. Darum geht es bei Gentle Rain auch nicht.

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Es geht darum, ein Gefühl für eine Stadt zu entwickeln, die man sich ohnehin selbst erschließt. Gentle Rain unterstützt einen dabei, indem es Geschichten erzählt. Von Menschen, die in dieser Stadt ihre Träume verwirklichen, egal ob in der Kneipe, im Start-Up oder in der Kunstgalerie. Oder von Hamburg selbst, wo zwischen dem Schanzenviertel unten und der Elbphilharmonie oben für alle Platz ist. Und dann ist da ein Exkurs in Stadtarchitektur, der mir besonders gefällt, über die hängenden Gärten von Hamburg, sozusagen. Ein gigantischer Flakturm, auch bekannt als Club ”Uebel & Gefährlich”, steht mitten in der Stadt und soll nun einen grünen Garten aufgesetzt bekommen – was sagen die Anwohner zu dem Plan, wie soll das alles werden?

Zwei Ausgaben sind pro Jahr geplant. Wer nicht im Norden Deutschlands unterwegs ist, muss die Augen offen halten – oder einfach auf der Website vorbeischauen, wo das Magazin auch erhältlich ist.

Warum soll ich das lesen?
Gentle Rain ist ein Begleiter für alle, die keinen Begleiter brauchen. So zurückhaltend und easy, wie die Elbmetropole selbst. Und damit typisch hanseatisch.

Risiken und Nebenwirkungen
Über die Reeperbahn torkeln, “König der Löwen” sehen und das beste Fischbrötchen der Stadt genießen. Auch das ist Hamburg, aber tja, da will Dir Gentle Rain gar nicht weiterhelfen!

> Gentle Rain online

Sven Job

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