Picture

“Tödlicher Moment – Nur einer auf diesem Foto hat überlebt…” – so marktschreierisch ködert Picture auf dem Titelbild seiner ersten Ausgabe potentielle Leser. Schließlich bedeuten die drei Gedankenpunkte am Satzende aber nichts weiter als: “Finden Sie heraus, wer.”

Picture ist das neue Bilder-Magazin aus dem Bauer Verlag und soll monatlich erschienen. So neu ist die Idee natürlich nicht, schließlich veröffentlicht der Stern mit View seit 2005 ein fast identisches Magazin. Okay, das “fast” kann man streichen, denn eine eigene Handschrift kann Picture nicht aufweisen.

Viele Bilder, wenig Text – und von allem etwas: Politik, Boulevard, Natur und Wissenschaft. Der Blick wird glasig, die Seiten immer fahriger umgeblättert. Nimmt das denn nie ein Ende? Picture vs. Leser: 1:0.

Warum soll ich das lesen?
Lesen? Ich schau mir lieber Bilder an, du Spießer!

Risken und Nebenwirkungen
All die Bilder machen dich so müde und verdrehen dir den Kopf. Schlaf gut, Kleiner!

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Florian Tomaszewski

Philosophie Magazin

Dass die Karambolage deutscher und französischer Traditionslinien in der medialen Vermittlung von Geistesgeschichte nicht nur im Mittagsprogramm bei Arte funktionieren kann, versucht Fabrice Gerschel, Herausgeber des französischen Philosophie Magazine nun auch in Print unter Beweis zu stellen. Zwar beteuert die in Berlin ansässige Redaktion eine eigenständige zu sein, doch finden erfreulicherweise einige Übersetzungen ihren Weg in das deutsche Lizenzprodukt. Erfreulich auch, weil doch die Philosophie in unserem Nachbarland einen ganz anderen Stand hat: Wo ein Intellektueller neben einer Berufung beinahe ein Berufsstand und in gar keinem Fall ein Schimpfwort ist. Wo Fernsehmoderator Raphaël Enthoven bereits zu Tage munter plaudernd durch die Straßen schlendern kann. Und wo es ein Schulfach gibt, das sich philosophischen Themen fachkundiger annähert als dass “Ethik” es hierzulande vermag.

Das Philosophie Magazin betritt denselben Pfad: hin zu einer breiteren Öffentlichkeit, jenseits des professionellen Diskurses. Und trägt damit Rechnung, dass Menschen in schwierigen Zeiten nach neuen, nach anderen Wegen der Orientierung suchen. Das ist gut gemeint, aber auch problematisch. Denn es fehlt die Tiefe, die ein solcher Magazinbericht nicht bieten kann – tatsächlich handelt es sich bei der Philosophie – bei aller Zugänglichkeit – aber um ein sehr leseintensives Fach. Die Philosophie kennt keine einfache Antwort auf die Frage nach einem gelungenen Leben und will diese auch gar nicht (mehr) geben. Aber das Heft versucht das zu vermitteln: In der Klassiker-Rubrik “Die Philosophen” wird auf Buddha und das Nirvana geschielt. Also auf das publikumswirksamere, aber an sich fachfremde Terrain der Religion.

Die Titelgeschichte im “Dossier” “Wie viel Tier steckt in mir?” ist vor allem der abgebildeten Nahaufnahmen wegen sehenswert, aber auch alles andere als anspruchsvoll; eben das, was man dem gutsituiertem Leser zumuten kann, ohne zu irritieren. Für den Kenner interessant sind da schon eher die Literaturtipps und die Werkstattgespräche mit den noch lebenden “Philosophen”. Wie etwa Cornel West, einem afroamerikanischen Mann der Zunft, der sich als Philosoph auch in die Tradition von Jazz und Blues stellt und im Interview mit seinem Präsidenten Barack Obama nicht eben unkritisch umgeht.

Warum soll ich das lesen?
“Ich weiß, dass ich nichts weiß”, sagt Sokrates. Lena Meyer-Landrut ist noch nicht so weit, das weißt du spätestens auf der letzten Seite.

Risiken und Nebenwirkungen
Vielleicht reißt du deinen Richard-David-Precht-Starschnitt in Lebensgröße doch von der Wand. Oder fragst noch mal nach, “wie viele” denn bei dessen Selbsterkenntnis gemeint waren. Es ist alles nicht so einfach.

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Manuel Niemann

Zinefest Berlin

Eines vorweg: Bis zu meinem Besuch auf dem Zinefest in Berlin war ich nie mit Zines oder DIY in Berührung gekommen. Ich begab mich also auf absolutes Neuland. Vier Räume im oberen Stockwerk des traditionsreichen Mehringhofs in Berlin-Kreuzberg waren von den Fenster- bis zu den Türrahmen gefüllt mit Besucher_innen, Zinemacher_innen und natürlich Zines: Schwarz-weiße Heftchen, Hefte auf Englisch, Spanisch und auf Deutsch, kopierte getackerte Heftchen, bunte gedruckte und gebundene Heftchen, Prints, Poster, Shirts und, ach, eigentlich alles, was sich bedrucken lässt.

The private is political

Schon die kurzen Blicke in unterschiedliche Zines während des Anstehens verrieten mir: Die Themenvielfalt ist enorm. Neben Comics füllten vor allem Ratgeber die Tische. Von humorvoll aufbereiteten Erfahrungsberichten wie “Dir fallen plötzlich die Haare aus? Hier, lies mein hairless zine!” über kleine kreative Reiseführer für Berlin und andere totbesuchte Städte dieser Welt bis hin zu bitterernsten Anleitungen zum Umgang mit Depressionen, Magersucht und selbstverletzendem Verhalten: Es gab für fast alles ein kleines Handbuch. Zwar sichtbar beeinflusst von offenbar Szene-internen Design- und Themecodes, dennoch aber weit genug weg von der gängigen Photoshop- und Tumblr-Ästhetik sorgen all diese Heftchen dafür, dass Themen, für die in den Mainstream-Medien kein Platz ist, trotzdem rezipiert werden können – gemäß dem Leitmotiv der früheren Frauenbewegung “the private is political”.

Waldsterben und Körperbehaarung

In Erinnerung aber bleiben werden am Ende weniger die vielen unterschiedlichen Heftchen als viel mehr die unterschiedlichen Menschen, mit denen ich gemeinsam nachdenkliche Blicke austauschend vor Fragen wie “Wer definiert, was eine Krankheit ist?” stand und begeistert von der Optik außergewöhnlich aufwendige Druck- und Kopiertechniken bewunderte. Statt schicker Papeterie-Postkarten mit Trendtierpaar “Fuchs” und “Eule” hier und da hätte ich lieber noch das ein oder andere Zine mehr über Waldsterben oder Körperbehaarung auf den Präsentiertischen gesehen. Dann aber hätte ich ganz sicher das Gespräch mit der siebenjährigen Alina verpasst, die mir ausführlich und bunt schilderte, warum der Fuchs ihr Lieblingstier ist. So warte ich auf das nächste Zinefest in Berlin, dann vielleicht mit Alinas erstem Heft.

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Hanna Forys

Alps

“Servus, Grüezi und Hallo”, schallt es aus München. Im Zweimonatsrhythmus wird von hieraus Alps, das Magazin für “Alpine Lebensart”, veröffentlicht. Zwischen Trachten-Chic, Architektur und Käse-Kooperative frönt das Heft einem rustikalen Lebensstil und Heimatliebe in Hochglanzoptik.

Die Reportagen sind durchaus lesenswert und auch die Fotos zeigen Klasse – für Menschen in Berlin, Hamburg oder Köln dürfte dies dennoch ein Einblick in fremde Welten sein. Der Anhänger des alpinen Traditionalismus wird an Alps aber seine Freude haben und den Janker ob stolzgeschwellter Brust an die Grenzen seiner Spannkraft bringen.

Warum soll ich das lesen?
Wer was auf sich hält, lebt rustikal. Sollen die Russen und Proleten sich halt in Dubai und Monaco austoben.

Risiken und Nebenwirkungen
Massive Stadtflucht und Gentrifizierung des Oberallgäus.

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Florian Tomaszewski

Treat

Manchmal haben auch wir menschliche Bedürfnisse und wollen einfach nur wissen, wer mit wem, mit wem grad nicht und, überhaupt, warum denn nicht. Eine riesige Auswahl an People-Magazinen widmet sich wöchentlich der Beantwortung solch dringender Fragen, und gerade als wir drauf und dran waren, bei all den billigen Blättchen die Übersicht zu verlieren, flatterte Treat ins Haus.

Im September von 23 Journalistenschülern aus dem Hause Burda veröffentlicht, will Treat die Lücke zwischen People- und Food-Magazinen schließen. Die Frage “Wer ist was?” wird zu “Wer isst was?”. Eva Padberg kocht dann etwas zu perfekt gestylt Pasta, während Wilson Gonzalez Ochsenknecht einige Seiten weiter Intimes verrät (“Ich kau’ halt laut”).

Aber halt: Plötzlich entdecken wir Interviews mit Tino Hanekamp und dem Audiolith-Act Frittenbude (Frage: “Warum heißt ihr eigentlich Frittenbude?”). Ist Treat vielleicht doch mehr Intro als InTouch?

Warum soll ich das lesen?
Auch Stars haben Hunger und stehen in der Küche? Voll menschlich!

Risken und Nebenwirkungen
So sieht Eva Padberg beim Kochen aus? Ich hol’ mir mal einen Döner…

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Florian Tomaszewski

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