Salon

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Der Verlag Gruner + Jahr bringt ein neues “Magazin für Gastlichkeit, Tischkultur und Lebensart” heraus – und das mit perfektem Timing. Weil natürlich ein Heft über Bewirtung, Tischsitten, Kochen, Backen und auch Wohnen perfekt in die kalte Jahreszeit passt. Die verbringen wir bevorzugt drinnen mit guten Freunden und Familie. Und wenn Du jetzt auch noch eine Frau “ab 35 Jahren” bist, die Lust auf Luxus und Lifestyle hat, ist Salon vielleicht das richtige Magazin für Dich.

Das Heft ist schön dick, mit 160 Seiten schon fast ein Wälzer und edel aufgemacht. Drinnen vermitteln die Reportagen und Fotostrecken mal rohen Luxus irgendwo zwischen Waldhütte und verkommenen Ostseebad – und ein anderes Mal den schicken Biedermeier 2.0, der gerne im Gestern schwelgt. Die Mode der 50er! Kristallgläser! Papierlampen! Heringssalat (wo gibt’s denn den heute noch?)!

Barocker Glanz und spätrömische Dekadenz

Salon ist edel gemacht, kennt seine Zielgruppe und hat eine echte Chance. Das ist die gute Nachricht. Es ist barock und stilbewusst – aber auch praktisch, denn das Rezepteheft im Mittelteil kann man rausnehmen, sodass Salon weiter den Coffeetable zieren darf.

Warum soll ich das lesen?
Überzeuge Deine Schwiegermutter mit diesem Magazin. Aber übertreib dabei nicht.

Risiken und Nebenwirkungen
Keine Strickmuster, kein Tratsch über Brangelina – Du hast Dir ein “Magazin für die Frau ab 35″ anders vorgestellt.

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Sven Job

Cameo Magazin

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So paradox es klingt: Cameo ist ein tolles Magazin, dessen Existenz doch traurig stimmt. Aber der Reihe nach.

Aachen hätte man bisher nicht mit dem Flüchtlingsdrama unserer Zeit in Verbindung gebracht, jedoch liegt das Städtchen auf der Route Paris-Köln, und Grenzbeamte greifen in den Zügen regelmäßig Flüchtlinge ohne Papiere auf. Während erwachsene Personen dann auf Heime in ganz Nordrhein-Westfalen verteilt werden, müssen Minderjährige in Aachen bleiben. Und weil viele Heime vor Ort überfüllt sind, werden die Jugendlichen in einem Hotel vor Ort untergebracht. Von dort berichtet das erste Cameo-Heft.

Das via Crowdfunding finanzierte Magazin widmet sich in seiner ersten Ausgabe dem Thema “Gastfreundschaft”. Cameo nutzt dabei das Mittel der fotografischen Reportage und zeigt in nüchternen Bildern die Tristesse dieser Unterkunft. Jugendherbergsambiente trifft auf deutschen Biedermeier. Ein kalter Ort.

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Die Redaktion kommentiert nicht. Anhand von Briefen stellen die Jugendlichen sich selbst vor und erzählen ihre Geschichte. So werden sie zu den Protagonisten dieses Magazins und geben ihm ihre Stimme. Die Gastfreundschaft, ein wichtiger Bestandteil aller Kulturen und Religionen, bildet dabei das Leitmotiv – wirkt aufgrund der Bilder und Geschichten aber auch wie Hohn. So nüchtern das Heft von außen wirkt, sein Inhalt wühlt auf. Die zweite Ausgabe soll im Februar 2015 erscheinen.

Warum soll ich das lesen?
Während meist über Flüchtlinge geschrieben wird, erzählen sie hier selbst ihre Geschichte. Hör genau hin!

Risiken und Nebenwirkungen
Wir sollten über unsere Definition des Begriffs “Gastfreundschaft” vielleicht noch einmal nachdenken.

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Florian Tomaszewski

Transhelvetica

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Von Zürich aus erscheint seit 2010 im zweimonatigen Abstand Transhelvetica – Das Schweizer Magazin für Reisekultur. In diesem zeigt unser Nachbar sich von seiner schönsten Seite: prächtige Landschaften, köstliches Essen und flauschige Bernhardiner. Das Blättern durchs Heft wird zur Meditation in der morgendlichen Rush-Hour. Würden noch mehr Menschen dieses Heft lesen, dürften die Schweizer Gästezimmer bald ausgebucht sein.

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Jede Ausgabe widmet sich einem Thema. Aktuell ist es “Orange”, zuletzt war es “Horn”. Die Macher bleiben inhaltlich überwiegend auf Schweizer Boden und beschreiben ein Land, in dem offensichtlich Milch und Honig fließen. Die Fotografien möchte man sich gleich als Fototapete in seine Wohnung kleben, so imposant und beeindrucken kommen sie daher. Fazit: Die schönen Illustrationen und klugen Texte machen aus Transhelvetica mehr als ein Berg-und-Wiesen-Magazin.

Warum soll ich das lesen?
Ein Nachbar stellt sich vor. Brot und Salz, ein freundliches Lächeln. Bitte ihn doch herein!

Risiken und Nebenwirkungen
Warum musst Du beim Lesen permanent die “Heidi”-Melodie summen?

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Florian Tomaszewski

Block

block01Das Magazin Block überträgt das Crowdfunding-Prinzip, sinnvolle Sachen gegenzufinanzieren, auf den krisengeplagten Printmarkt. Die Macher von Block trauen dabei ihren “Lesern einiges zu; dass sie intelligent sind, neugierig und flexibel und vielleicht sogar, dass sie unsere Finanzierung möglich machen.“ So viel Honig ums Maul geschmiert, sollen jene bienenfleißig vorab Exemplare bestellen, die erst dann in den Druck gehen, wenn eine garantierte Abnehmerzahl von derzeit 1500 erreicht ist. Wird jene gar überstiegen, bestimmt sie zudem den Anzeigenpreis im Heft. Bleibt man hinter dieser Erwartung zurück, geht das Geld postwendend zurück, so verspricht es der derzeitige Vertrieb noch ganz ohne Beteiligung des Kiosks von nebenan.

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Was bietet das Magazin dafür? Haptisch kommt Block (Motto: “Das Laster auf dem Thron, die Tugend auf dem Block”) als ebensolcher daher: Die Seiten sind aus schwerem Papier, in einer eigens kreierten Schrift, die nicht BLOCK, aber YURI heißt; deren Lettern aber im – naturgemäß – Blocksatz wieder angeordnet sind. Was sie vom Editorial und den hochglanzaufgelösten Fotografien abhebt, edel wirkt und der im Motto selbst gewählten Tugend entspricht. Den Erstausgabepreis von zehn Euro hat man inzwischen leicht nach oben korrigiert, was, aber immer noch einen Taschenbuchpreis bedeutet, den Block an Umfang und Länge des Lesevergnügens durchaus rechtfertigt.

Theresia Enzensberger, die Herausgeberin, formuliert für die erste Ausgabe 2014, was zunächst marketingtechnisch wie ein Albtraum klingen mag: Erklärtes Ziel sei es, entgegen der gewohnten Sprechblasen der Branche (schön die Idee, auf dem Heftrücken mit solchen zu kokettieren), den Leser eben nicht “bei der Hand zu nehmen”, “abzuholen”, vulgo: von vornherein zu unterfordern. Und so kommt Block ohne Sparten, Kolumnen aus, ja, nicht einmal ein feststehendes Thema gibt es. Vielmehr zeichnen sich die Beiträge in Wort und Bild durch ihre krude Mischung aus: Erzählungen, Kunst und Essays, die dem Feuilleton einer großen Tageszeitung zu aller Ehre gereichen würden. Als Gewährsmann zitiert man hierfür ganz am Schluss noch einmal mit Tucholsky die Vergangenheit. Dem Block-Denken liegt hier vermutlich etwas zugrunde, was man im Neusprech “Outsourcing” nennen könnte. Nur sind es hier einmal nicht die Mitarbeiter, sondern Inhalte, die sich einen neuen Platz suchen mussten. Und die etwas ganz und gar Abwegiges versuchen, indem sie nicht dem tagesaktuellen Gespräch nachhächeln, sondern Eigensinn beweisen, abseits der paar Stichwortgeber, die die Zeitungsdebatten derzeit bestimmen. Dass diese Inhalte – von Lesern mitfinanziert –  auf dem deutschen Printmarkt auch in Zukunft noch ihren Platz haben können, beweist Block.

Warum soll ich das lesen?
“Es ist nur eine Frage der Zeit” verspricht Block. Und einen besseren Zeitvertreib als die Lust am Lesen gibt es doch in diesem Herbst auch wieder nicht, oder?

Risiken und Nebenwirkungen
Vielleicht braucht es doch einen Mindestlohn. Denn so langsam übersteigen all die Crowdfunding-Möglichkeiten Dein aktuelles Budget.

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Manuel Niemann

Lucky Peach

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Lucky Peach ist ein Food-Magazin, wie es wohl nur aus New York kommen kann. Bunt, kreativ und kosmopolitisch. Hier sind die Küchen dieser Welt zu Hause – manchmal Tür an Tür. Es gibt wohl kein Gericht, dass Du in dieser Stadt nicht probieren kannst. Aber Lucky Peach selbst ist weit entfernt von einer hübsch gestalteten Rezeptesammlung. Vielmehr werden wunderbare Geschichten erzählt – grandios bebildert und illustriert. Allein schon die Cover sind ein Genuss.

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Das Magazin erscheint seit 2011 quartalsweise und widmet sich immer einem Thema, das meist erst auf den zweiten Blick etwas mit Essen zu tun hat. In der Vergangenheit waren das unter anderem “Travel”, “Gender” oder eben – “The Seashore”. Geschichten vom Meer und seinen Gaben an uns hungrige Seelen. Dabei findet sich eine kulinarische Reise zu den Drehorten des Films “Goonies” an der Küste Oregons ebenso wie ein Bericht über die Fischer des Gazastreifens. Ansprechende Fotos, Zeichnungen und Illustrationen ergänzen die Artikel. Lucky Peach geht ganz nah dran – Muscheln, Fisch und Seetang inklusive. Die Seiten verströmen Meeresgeruch, und das Blättern durchs Heft regt alle Sinne an. Toll!

Warum soll ich das lesen?
Weil Food-Magazine genau so aussehen sollten.

Risiken und Nebenwirkungen
Du bist eher so der Berg- und Knödel-Typ, Seegurken und Konsorten sind weniger Dein Fall. Lucky Peach ist trotzdem einen Blick wert.

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Florian Tomaszewski

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