Ehrenfelder

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Stadtmagazine gibt es viele – und wir haben uns auch schon ein paar angesehen. So gibt es aber auch Straßenmagazine und andere, die nur bessere Terminkalender sind. Und dann gibt es ab und zu Eines, das wirklich versucht, das Gefühl einer Stadt oder nur eines Viertels einzufangen. So wie Ehrenfelder.

Ich wohne selbst in diesem Stadtteil von Köln – da musste ich mir Ehrenfelder mal ansehen. Und es hat sich gelohnt. Wer in der Stadt wohnt oder auch nur als Tourist mal rumgekommen ist, der weiß mit Ehrenfeld etwas anzufangen. Das “Veedel” ist vielleicht nicht mehr so hip wie früher, aber zum Ausgehen und Wohnen begehrt wie immer. Ach und eins: Der Dönerladen, den Böhmermann vor einem Jahr in den höchsten Tönen auf Twitter gelobt hat? Steht hier an der Venloer Str., aussteigen Haltestelle Gürtel.

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Thema in der dritten Ausgabe ist “Der innere Widerstand”. Ehrenamtlich gemacht von einem Team von Grafikern und Freelancern, sind wir sofort beim Kern vom Magazin-machen: Irgendwie fehlt immer die Zeit. Oder der innere Widerstand ist zu groß. Schön, dass es noch geklappt hat. Vor allem Leser, die sich hier auskennen, werden die Essays und Reportagen interessieren: über die größte Moschee des Landes, die immer noch nicht fertig ist, über den berühmt-berüchtigten Herkules-Turm. Aber auch über Wand-Graffitis, die nicht jedem gefallen, über Bebauungspläne inmitten des Veedels (die nicht jedem gefallen). Oder über das Honig-Imkern zwischen Wohnhäusern, Verkehrsadern und wiederbegrünten Industrieflächen – das wird mit Sicherheit jedem gefallen.

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Warum soll ich das lesen?
Ehrenfeld zeigt, wie Integration funktionieren kann. Und Du möchtest auch kein “Immi” mehr sein, sondern dazugehören. Ehrenfelder hilft Dir dabei, Deine Stadt besser kennenzulernen.

Risiken und Nebenwirkungen
Du liest als Erstes den Text einer Frau, die ihren “inneren Widerstand” gegen den Karneval einfach nicht ablegen konnte. Egal, wie sehr sie es versucht hat. Aber ohne Karnevalsliebe, fragst Du Dich, kann es da überhaupt was werden mit der erfolgreichen Integration?

> Ehrenfelder online

Sven Job

 

The Intelligent Lifestyle Magazine

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The Intelligent Lifestyle Magazine erscheint seit Ende 2008 jeden Monat und widmet sich dabei mit wachen Augen den politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen unserer Welt. Dabei stechen vor allem die Infografiken heraus, die mehrfach ausgezeichnet worden sind. Klingt toll. Jetzt kommt das aber: Leider gibt es das Magazin selbst nur in italienischer Sprache. Auf Englisch gibt dieses Buch aber einen verständlichen Einblick für jeden, der sich für herausragende Magazine interessiert.

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Denn Content ist nicht nur King. Content ist heart und soul. Wenn ich durch die Seiten von The Intelligent Lifestyle Magazine blättere, kommt mir diese simple Weisheit wieder in den Sinn. Und dieses Motto gilt nicht nur für das Magazin selbst, sondern erst recht für das Buch dazu, das nun wirklich nichts auslässt, was es über IL zu sagen gäbe. Von Logo- und Layoutgestaltung sowie Typographie über die vielen Rubriken, die über die Jahre zum Einsatz kommen, bis hin zur grafischen Gestaltung und Aufbereitung von Informationen wird deutlich: Beim The Intelligent Lifestyle Magazine ist Journalismus kein lästiger Brotjob, sondern Herzensangelegenheit.

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Den Inhalt kann ich dank Sprachbarriere nicht so gut beurteilen, den Look von IL aber schon. Und der ist sehr abwechslungsreich. Die Rubrik “Tabloid” zum Beispiel präsentiert ihre Themen von Sport bis Weltpolitik in der grellen Bildsprache der Yellow Press, Sprechblasen und viele Ausrufezeichen inklusive. Auch Humor kann eine Waffe sein. Zum Abschluss ein Appell: Liebe Redaktion, denkt über eine internationale Edition von IL nach, per favore!

Warum soll ich das lesen?
Der gestalten Verlag hat ein reich illustriertes Buch herausgebracht, das auf knapp 260 Seiten Liebe für dieses Magazin speziell und Print allgemein atmet. Wie auch bei Print is Dead. Long Live Print oder The Modern Magazine gilt bei diesem Brocken von einem Buch: Papier ist King!

Risiken und Nebenwirkungen
Es tut uns wirklich leid, aber jetzt musst Du auch noch Italienisch lernen. Dolce Vita und intelligentes Leben und so!

> The Intelligent Lifestyle Magazine online (das Buch; mit Video-Preview)
> The Intelligent Lifestyle Magazine online (das Magazin, italienisch)

Sven Job

Kater Demos

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Ein “utopisches Politikmagazin” – was mag das sein? Ich könnte diese Magazinbesprechung einleiten mit einem Zitat von Hannah Arendt oder Karl Marx, Deichkind oder Jack Nicholson. Ich könnte auch an dieser Stelle aufhören und mit meiner Nichte ein Eis essen gehen – denn auch diese Review ist Arbeit. Und Arbeit nervt.

Und von innen sieht das Hamsterrad aus wie eine Karriereleiter. Schon verrückt, dass Alexander Sängerlaub und sein Team in ihrer Freizeit ausgerechnet ein Magazin machen – denn das ehrenamtliche Magazin machen ist ein 1A-Hamsterrad. Geld gibt’s dafür nicht und auch die Anerkennung für diese Schufterei lässt oft zu wünschen übrig, obwohl man einen wichtigen Job für unsere Demokratie verrichtet – erst recht mit einem politischen Gesellschaftsmagazin, wie Kater Demos eines ist.

Eloquent, ausführlich und voller Kampfgeist stürzt sich das Magazin mit der zweiten, durch Crowdfunding finanzierten Ausgabe in ein Thema, das heute so wichtig ist wie schon immer: Arbeit, keine Arbeit, Lebensgestaltung, Sinnfindung und diese unsere verfluchte Generation Y.

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Bei Format, Layout und vielen der Texte denke ich sofort an Absolventen-Magazine wie ZEIT Campus. Doch irgendetwas ist hier anders. Kater Demos beschönigt nichts und ist kein Karriereratgeber. Trotzdem gibt es aber viele Denkanstöße, die vielleicht Dein Leben ein Stück weit verändern könnten.

Warum soll ich das lesen?
Kater Demos erklärt das bedingungslose Grundeinkommen und träumt von anderen Arbeitsbedingungen, ohne sich in rosafarbenen Phantasien zu verlieren. Und lässt Dich tatsächlich an eine bessere Zukunft glauben. Das ist ein utopisches Politikmagazin!

Risiken und Nebenwirkungen
Plötzlich ist er wieder da, Dein Traum, mit dem MacBook in Prenzlberg zu sitzen und auch noch davon leben zu können. So hat die Kater Demos-Redaktion das sicher nicht gemeint!

> Kater Demos online
Noch sieben Tage läuft die Crowdfunding-Kampagne für Kater Demos. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann das Projekt hier unterstützen!

Sven Job

Fettliebe

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Kurz und schmerzfrei, lautet der Auftrag: Das fällt bei einem Heft, das sich im aktuellen Untertitel selbst als “Notzäpfchen für unterwegs” ausweist, nicht schwer. Die Fettliebe ist eine Literaturzeitschrift, die sich dem Untergrund zugewandt hat. Wobei Untergrund nach längst abgegriffenen Alternativen klingt: Nach Pseudo-Hipstern und dem nächsten Poetry-Slam-Kreismeister, auf den sich aber eigentlich alle einigen können. Die Zeitschrift ist aber anders, ein simpler Freiraum nämlich für literarische Texte.

Das Abwegige, (noch) Unveröffentlichte trifft sich hier mit dem manchmal Derben, bewusst Trashigem oder Albernem. Karikaturen und Kolportagen stehen neben Gedichten und kurzer Prosa. Zwölf Ausgaben im A5-Format hat das vierköpfige Kollektiv von Leipzig aus bereits verantwortet. Die Stadt ist auch die sicherste Adresse, um an das Heft zu gelangen. Denn beim Vertrieb stellt sich die Redaktion auch gegen die durch und durch digitalisierte Zeit. Zwar existiert ein E-Mail-Postfach, um Texte einzusenden, aber um die Fettliebe analog und werbefrei gedruckt in den Händen zu halten, muss man in ausgesuchte Buchhandlungen oder zu einer der Lesebühnen. Die gab es in Leipzig schon, bevor Performance und Publikumsertrag im Vordergrund standen und am Ende eines Abends immer einer allein als Sieger nach Hause gehen durfte.

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Hier kann jede Geschichte ein Sieger sein. Ob es nun um einen chinesischen Ulysses geht oder eine Suizidphantasie im Großraumbüro, ob von Gelegenheitsprostitution die Rede ist, die einen jungen Freier, nicht aber den Leser kalt lässt. Und das ist nur ein unvollständiger Streifzug durch die aktuelle Ausgabe.

Warum soll ich das lesen?
Literatur erkennst Du ab sofort nicht erst, wenn sie Dir jemand auf einer Bühne vorliest.

Risiken und Nebenwirkungen
Digital ist doch nicht besser: Du zerstörst Deine liebste Tocotronic-CD, meldest sämtliche Onlineaccounts ab, und verschreckst den Postboten, wenn er Dir irrtümlich doch noch irgendwelche Amazon-Pakete zustellen will.

Einsenden kann jede/r junge deutschsprachige Literat/in. Die Auswahl behält sich die Redaktion vor.

Manuel Niemann

Frankfurter Allgemeine Woche

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Das Frankfurter Flaggschiff der deutschen (Wirtschafts-)Tageszeitungen, die F.A.Z., hat jetzt auch ein eigenes Wochenmagazin. Das ist kein Beileger wie etwa ZEITmagazin und Süddeutsche Zeitung Magazin, sondern liegt als Kauftitel am Kiosk aus.

Der erste Blick geht auf’s Cover – und erinnert an Cicero und an den SPIEGEL. Ich persönlich kann diese Karikaturen auf dem Titel nicht mehr sehen. Vor allem Politiker im Superhelden-Dress (Notiz an mich: Dazu eine Bildergalerie vorbereiten!).

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Drinnen dann: viel zu den Ressorts Politik und Wirtschaft. Das Feuilleton legt einen Schwerpunkt auf Shakespeare. Das passt nicht zum Rest. Und das Wissen-Ressort zum Ende hin irgendwie auch noch nicht richtig.

Und die Themen: Faultiere und Bierbrauen, Roboter und die Queen, die Flüchtlingskrise. Für eine Woche fast etwas zu viel. Die Woche soll ein Angebot an junge Leser sein, ohne alles auf den kleinsten intellektuellen und emotionalen Nenner runterzubrechen, nur um wieder bei Tinder-App-Tests und Drogen-Reportagen zu landen. Schon verstanden – trotzdem fehlt dem Magazin ein eigener Ton oder auch nur irgendeine Art von Hipness und Ansprache. Zwischen Neon, Vice und all den Online-Angeboten von ze.tt bis bento ist das zur Abwechslung vielleicht eine gute Sache. Ich glaube aber trotzdem, dass die Chancen auf Erfolg so eher trübe aussehen. Großes Sorry!

Warum soll ich das lesen?
Eine Wochenzeitung ist Dir zu heavy und die “Jugend”-Angebote im Netz findest Du zu dumm? Versuch’s mal mit der Frankfurter Allgemeine Woche.

Risiken und Nebenwirkungen
Vor Böhmermann ist man auch hier nicht sicher.

> Frankfurter Allgemeine Woche online

Sven Job

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