Interview mit Julius Matuschik und Sebastian Cunitz (Cameo Magazin)

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Als wir die erste Ausgabe des Cameo Magazins besprochen haben, waren Themen wie Flucht und Asyl bereits präsent und das Magazin in unseren Augen ein wichtiger Beitrag zur Thematik. Spätestens in diesem Sommer jedoch dürfte jedem klar geworden sein, dass unsere Gesellschaft vor einer gewaltigen Veränderung steht. Die zweite Cameo-Ausgabe kann also aktueller nicht sein und gibt wieder denen eine Stimme, über die meist nur in abstrakten Begriffen gesprochen wird: den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und in Deutschland Zuflucht gefunden haben. Dies geschieht durch persönliche Briefe und Fotos aus einem Kloster, das 39 Flüchtlinge beherbergt. Wir haben den beiden Herausgebern Julius Matuschik und Sebastian Cunitz einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.

Wie war die Resonanz nach der ersten Ausgabe?
Die Resonanz war durchwegs positiv. Unser Hauptanliegen ist es, dass Menschen die Briefe der Flüchtlinge lesen. Das Magazinkonzept um die Briefe herum, also Gestaltung und Fotografie, soll Neugierde wecken und die Briefe visuell unterstützen.

Zu hören, dass das Konzept funktioniert, ist ein riesengroßes Kompliment und hilft uns dabei, weiter zu denken und zu machen. So erreichen wir hoffentlich noch mehr Menschen, die diese Briefe lesen können.

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Was ist seitdem passiert? Ihr habt ja in einem unserer Kontakte angedeutet, dass jede Menge los war.
Nach der ersten Ausgabe haben wir Mitstreiter gefunden, die uns bei der Umsetzung des Magazins, aber auch darüber hinaus, unterstützen wollen.

Wir möchten uns für einen nachhaltigeren und fairen interkulturellen Dialog einsetzen. Für uns geistern noch viel zu viele Vorurteile umher, nicht nur in Bezug auf Flucht und Asyl. Daher bieten wir uns als Kollektiv an, um Ideen umzusetzen. Das kann die Konzeption einer Ausstellung, eines Workshops oder eben eines Magazins sein. Ausserdem haben wir die Auflage verdoppelt, weil wir beabsichtigen, den Vertrieb nicht mehr nur über unseren Online-Shop zu leisten, sondern auch über andere Kanäle.

Wie stellt iIr den Kontakt zu den Protagonisten im Heft her? Wie kann man sich den Entstehungsprozess vorstellen?
Bevor wir anfangen, Briefe schreiben zu lassen, möchten wir die Protagonisten und den Ort erst einmal kennenlernen. So können wir den Mikrokosmos der jeweiligen Gemeinschaft und Unterkunft verstehen lernen. An Gemeinschaftsabenden erklären wir dann unser Projekt und versuchen, zusammen Ideen zu finden. Welche Gedanken und Gefühle habt ihr für die Briefe? Wie geht’s euch hier? Wo könnte man die Porträts machen?

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Was wünscht Ihr Euch, mit Cameo zu erreichen?
Cameo soll Brücken schlagen, einen Dialog anregen sowie Sympathie und Empathie für geflüchtete Menschen wecken. Nach Vorträgen oder Ausstellungen mit Cameo erhalten wir oft als Feedback, dass man jetzt gerne selbst aktiv werden will oder einfach nur mal in eine Unterkunft will, um mit Geflüchteten zu sprechen. Dann hat es für uns funktioniert!

Ist Cameo ein politisches Magazin?
Die Themen Flucht und Asyl sind zwar politisch, wir möchten das Ganze aber auf eine menschliche Ebene bringen, fernab von Dublin II oder Königsberger Schlüssel. Politik wird von Menschen gemacht, scheinbar ist aber bei vielen Eines noch nicht angekommen: Nächstenliebe.

Wie geht es weiter?
Wir haben Cameo – Gedanken über Gastfreundschaft bisher als Trilogie verstanden und möchten auf jeden Fall noch eine Ausgabe nach dem selben Konzept machen. Danach soll es mit einem anderen Begriff, wie “Hoffnung” oder “Liebe”, weitergehen. Es werden Begriffe gesucht, die Brücken bauen und Verbindungen schaffen. Jeder Mensch hat schließlich Träume und Hoffnungen.

Danke, dass Ihr Euch Zeit für uns genommen habt. Macht weiter so!

> Cameo Kollektiv online
> Cameo Magazin online

Unsere Besprechung der ersten Ausgabe von Cameo findet Ihr hier.

Das Gespräch führte Florian Tomaszewski