Gee

Spieletests, Komplettlösungen, Cheat-Tabellen und ein Poster von Lara Croft für die Wand – so sieht bis heute die typische Zeitschrift für den Computer- und Videospieler aus. Gee versuchte, das zu ändern. Im Oktober 2003 gab ein Magazin sein Debüt, das auf Prozent-Wertungen und digitale Leistungsvergleiche verzichtete. Und nun wird mit einer Sonderausgabe zum zehnten Geburtstag ein Schlussstrich gezogen: Es geht um Aufstieg und Fall einer Idee.

Sicher werden auch dieses Mal neue Spiele vorgestellt – nur eben, ganz Gee-typisch, ausführlicher und weniger auf die technischen Aspekte fixiert als anderswo. Die Redakteure blickten über den Tellerrand der digitalen Abenteuerwelten und in sich hinein: Was macht ein Spiel mit dem, der es erlebt? Welche Gefühle, Erkenntnisse, Benefits ergeben sich daraus? Über das Drucken von profanen Spieletests ging das immer hinaus, denn Gee wollte in Deutschland so etwas wie Spielejournalismus etablieren. Und nach zehn Jahren fassen die Verantwortlichen zusammen, dass sie mit diesem Vorhaben gescheitert sind. Zumindest in gedruckter Form ist das Konzept nicht überlebensfähig, sieht man von Ausnahmen wie dem Nischen-Bookzine WASD oder dem puren Nostalgie-Heft Retro Gamer mal ab.

Die Akzeptanz für Videospiele ist in der letzten Dekade immens gestiegen: Nicht nur Nerds und Kids spielen, sondern die ganze Familie. Und die gesellschaftliche Relevanz von weltweiten Blockbustern wie GTA V kann niemand bestreiten. Ist da die Zeit nicht reif für einen Feuilleton der Videospielkultur, fragen sich Kultur-Journalisten in dieser Ausgabe ein vorerst letztes Mal. Oder müssen wir noch länger warten? Braucht Deutschland dafür kein eigenes Magazin? Finden entsprechende Texte nur noch auf Blogs statt? Das Interview am runden Tisch lässt einen ratlos zurück, denn die Antwort scheint keiner zu kennen.  Beendet wird die Diskussion mit vorsichtigem Optimismus: “Vielleicht gibt es in zehn Jahren wieder eine Zielgruppe für so was hier.” Das wäre doch schön.

Warum soll ich das lesen?
Weil Gee Dich als Videospieler ernst nimmt.

Risiken und Nebenwirkungen
Gewöhn’ Dich besser nicht zu sehr an dieses Magazin. Neue Ausgaben wird’s nicht geben.

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Sven Job