Der Zombie

In diesem Jahr, in dem Brad Pitt in seinem erfolgreichstem Film gegen die Zombie-Apokalypse ankämpft und die Fernsehserie “The Walking Dead” neben den Wohnzimmern auch die Feuilletons erobert, ist klar: Zombies sind in der popkulturellen Gesellschaftsmitte angekommen. Dass ein neues Magazin zum Thema Horror-Film-Kultur sich Der Zombie – Das Magazin für phantastische Filme und filmische Pop-Kultur nennt, wirkt daher naheliegend.

Wenigstens wirkt es so: Denn mit dieser Öffnung zum Mainstream hat das Magazin nicht viel mehr gemeinsam als die Faszination mit den Untoten. Das Motto von Der Zombie muss wohl eher lauten: Holt den Zombie aus den Hipster-Zirkeln und zurück in die spärlich belichtete Gruft der Videothekenkultur. B-Movies und Trash-Kultur sind hier die Stichworte. Eine Liebe zur guten alten VHS, sicherlich der Zombie unter den Datenträgern, und zum Geruch verstaubter Videothekenregale wäre keine schlechte Voraussetzung für die Lektüre dieses Magazins. Denn Der Zombie ist ein Heft für Geeks und Sammler; es kommt mit Klammern, um es in den passenden Ordner im Zombie-Design abzuheften – der König aller Geeks Sheldon Cooper hätte seine Freude daran.


Wenn ein Zombie ein lebender Toter ist, also etwas, das eigentlich nicht mehr existiert, aber auch noch nicht so ganz verschwunden ist, dann steht er hier bildlich für eine Film-und-Videotheken-Kultur, die im Internetzeitalter schon fast wie verwest wirken muss. Noch hat diese Kultur aber ihre Anhänger und Der Zombie ist der beste Beleg dafür. Den Erinnerungen und Anekdoten der Fans von damals wird ein eigener Platz eingeräumt. Dort erzählen die Splatterfans dann sozusagen ihre eigenen “Geschichten aus der Gruft”.


In jedem Heft, so kündigt Herausgeber und Chefredakteur Markus Haage an, soll eine andere klassische Horror-Filmreihe im Fokus stehen – in der Erstausgabe wird die “Tanz der Teufel”-Reihe auseinandergenommen. Die Filme werden auf all die kleinen Details und Produktionsanekdoten hin “seziert”, gedacht für Leute, die sich auch bei DVDs die Audio-Kommentare des Regisseurs anhören. Oder vielmehr die Kommentare von dem Typen, der für die Splatter-Effekte verantwortlich ist.

Warum soll ich das lesen?
Du darfst in Erinnerungen schwelgen, wie Du Dir damals die ungekürzte Fassung dieses einen Slasher-Films aus Amsterdam besorgt hast. Oder Du liest über Menschen, die derartige Erinnerungen haben.

Risiken und Nebenwirkungen
Die “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” liest sicher mit.

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Ulrich Mathias Gerr